10
Mär

Baunach. Es lebe die Diskussions-Kultur!

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern.

Position 1 – Marko Pesics letzte Chance?

Der FC Bayern Basketball ist aus dem EuroCup ausgeschieden. Gegen Malaga. Die Serie gegen den Außenseiter aus Andalusien war wenig ansehnlich und zudem qualitativ mäßig. Die Münchner Hoffnungen auf den Sieg des zweitwichtigsten europäischen Wettbewerbs sind also dahin – und damit auch die Chancen auf eine sportliche Qualifikation für die EuroLeague. Viele Beobachter sind sich sicher, dass dies mit einem „gescheiten“ Point Guard nicht passiert wäre. Doch seit dem Abgang von Malcom Delaney (Sommer 2014!) hat der FC Bayern keinen qualitativ hochwertigen Aufbauspieler mehr verpflichten können. Zahlreiche Alternativen und Lösungsversuche scheiterten. Seit drei Jahren hat es der mitgliederstärkste Verein der Welt also nicht geschafft, eine den Ansprüchen genügende Lösung auf der Eins zu präsentieren. Es liegt der Schluss nahe, dass der zuständige Mann für Personalentscheidungen – Marko P. aus S. – nun auf die Zielgerade seiner Zeit in München zusteuert. Ohne Frage hat er es geschafft, das „Projekt“ von der zweiten Liga in die erste zu führen, es dort an einer Spitzenposition zu verankern und einen erstklassigen Kader zusammenzustellen. Doch das erwartet irgendwie ja auch Jeder. Auch in diesem Jahr gelang ihm eine sehr gute Zusammenstellung des Kaders! Nicht jedoch auf der Point-Guard-Position. Seit Uli Hoeneß im September im tz-Interview zu Protokoll gab, dass er für die entsprechenden Verpflichtungen das Geld auftreiben werde, kamen lediglich Nick Johnson und Maik Zirbes nach München. Beides gute Verpflichtungen. Eingeschlagen hat jedoch noch keine. Pesic muss nach wie vor einen qualitativen Einser präsentieren. Denn, obwohl die Mühlen in München etwas anders mahlen, dürfte sonst auch die Zeit von Pesic junior abgelaufen sein.

Position 2 – Baunach. Es lebe die Diskussions-Kultur!

In Deutschland ist die (politische) Diskussions-Kultur in den letzten Jahren etwas arg unter die Räder gekommen – auch der Sport um das orangene Leder hat schon mehr Diskussion ausgelöst. Doch auch im Jahr 2017 hat der deutsche Basketball seine Plattformen. Und diese Leben. Egal ob Schönen Dunk oder Lee´s Corner die Diskussionen sind vorhanden, meist sachlich und visualisieren die (Meinungs-) Vielfalt, welche vor Ort vorhanden ist. Das ist gut so! Denn damit ist der Basketball präsent. Und zwar 24/7. Für Basketball-Freaks lohnt sich dabei gefühlt der Bick in jeden Thread. Denn auch hier werden meist äußerst interessante Diskussionen geführt und Meinungen ausgetauscht, welche in Zeiten von professioneller Pressearbeit und Facebook-Trolls an anderer Stelle untergehen. Ein tolles und vielleicht doch weniger präsentes Beispiel für eine solche Vielfalt ist auf SD der „Faden“ der Baunach Young Pikes. Interessant ist dieser Abschnitt jedoch nicht nur wegen den 27 Seiten und den über 56.000 Hits – denn das kleine Baunach ist bekanntlich seit einiger Zeit das Farmteam von Brose Bamberg. Es gibt also viele Themen. Neben den „klassisch“ sportlichen Themen sind dies auch Dinge der Ausrichtung des Jugendkonzeptes, den Charme von Regionalligaspielen, etc. Kurzum: Einige der 56.000 Hits gehen auf mich. Denn während die Diskussionen in anderen Threads sich manchmal im Kreis drehen, uferlos werden oder doch hin und wieder von Trollen befallen sind, sind diese Diskussionen qualitativ und breitschichtig. Die Vermutung liegt nahe, dass sich dort eben nicht nur normale Fans, sondern auch ehemalige und aktuelle Akteure, Entscheidungsträger, Partner und Eltern tummeln… Lesenswert und ein Beleg dafür, dass in Franken (oder im Internet, das ist Auslegungssache) neben sportlich herausragenden Spielern auch noch etwas Anderes lebt: die Diskussions-Kultur. Gut so!

Position 3 – ProB: Belohnter Mut? Jibril Hodges und Aaron Nelson

Während sich die beiden höchsten deutschen Ligen noch zum Beginn beziehungsweise in der Mitte des Saisonendspurts befinden, ist die dritthöchste Spielklasse, also die ProB, bereits am Ziel. Am morgigen Samstag beginnen sowohl die Playoffs als auch die Playdowns. Die Besonderheit am Spielsystem ist, dass alle 24 Mannschaften weiterspielen müssen. 16 Teams treten in den Playoffs an, acht Teams müssen – jeweils in Nord und Süd aufgeteilt – in die Playdowns. An dieser Stelle möchte ich einmal zwei Personalien genauer betrachten: Jibril „Jib“ Hodges und Aaron Nelson.

Hodges ist seit Oktober Headcoach der BG Karlsruhe, Nelson war bis vor ein paar Tagen in den Diensten der Dragons Rhöndorf. Beide Beispiele kommen also aus der Süd-Division. Doch das ist an dieser Stelle nicht entscheidend. Vielmehr entscheidend ist, dass beide Personalien von den Verantwortlichen Mut erforderten. Beide Male dürfte sich dieser, zumindest kurzfristig, ausgezahlt haben. Denn die Vereine in der ProB müssen kreativ sein, die offensichtlich guten Transfers tätigen die Mannschaften aus der BBL oder der ProA – sie bekommen also maximal Rohdiamanten, welche sie selbst entwickeln müssen oder bereits komplette Spieler, dann aber mit anderen Problemen (Verletzungsakte, Charakter, …).

Die BG Karlsruhe war am 20. Oktober kreativ. Aufgrund der Vermittlung eines ProA-Geschäftsführers präsentierten die Badener den damals 32-jährigen Jibril Hodges als Nachfolger des geschassten Nenad Josipovic. Es ist die erste Trainerstation des US-Amerikaners, welcher erst kurz zuvor seine Sneaker an den Nagel gehängt und Luxemburg aufgrund eines letztlich frustrierenden Engagements verlassen hatte. Um mit seiner Frau und seiner Tochter zusammen in Lampertheim (dort wohnt die Familie schon seit einiger Zeit) heimisch zu bleiben, musste also ein geographisch nahegelegener Job her. Der Job in Karlsruhe kam gerade recht – für beide Parteien. Denn die BG Stand zu diesem Zeitpunkt auf Tabellenplatz 11, was deutlich zu wenig für den letztjährigen Hauptrundenersten war. Doch das Vertrauen in den lebensfrohen und optimistischen Hodges (Sohn des vierfachen NBA-Champs Craig) zahlte sich durchaus aus: Karlsruhe schloss die Saison auf Tabellenplatz sechs ab und trifft nun in den Playoffs auf Oldenburg. Sollte man die Auswärtsschwäche aus der Hauptrunde (nur drei Siege) bei Seite legen, wäre die Feuerprobe für Jibril auch endgültig bestanden. So oder so gilt: Der Mut hat sich ausgezahlt.

Kämen wir zu Aaron Nelson. Der 25-jährige Forward machte für die Dragons 20 Saisonspiele – und war ligaweit der beste Rebounder (12,5 RPG) und zweitbeste Scorer (23,0 PPG). Kurzum: Nelson trug die Drachen lange Zeit auf seinen Schultern. Dennoch reichte es letztlich nicht, um den Playdowns zu entkommen. Letztlich schloss Rhöndorf die Hauptrunde sogar als Zehnter ab. Aktuell ist man zwei Siege vor den Uni-Riesen und damit zwei Siege vom Nichtabstieg entfernt. Sollte der Kooperationspartner der Telekom Baskets also nach dem verkraftbaren ProA-Abstieg im letzten Jahr abermals absteigen, wäre dies der sportliche Super-GAU. Und diese Verantwortung dieses Super-GAUs müsste auch Nelson tragen. Denn er verließ Rhöndorf vorzeitig. Gründe nannte das Management keine, doch sollten es nicht private Gründe sein, wäre das Verhalten Nelsons unentschuldbar. Die Freigabe vor dem Beginn der Playdowns ist es jedoch schon, denn ein zum Bleiben gezwungener Nelson hätte zwar ein Exempel statuiert, jedoch wenig Nutzen daraus gezogen. Doch ob sich der Mut Nelson zu verpflichten gelohnt hat, steht in den Sternen – denn nur ein Nichtabstieg ist in Rhöndorf akzeptabel.

Position 4 – Starting 5

„Sweetwater“, „The Iran Job“, „Space Jam“, “more than a game”, “Nowitzki. Der perfekte Wurf“, „Phoenix aus der Asche“, …: Auch deutsche Basketballfreaks können eine kleine Mediathek mit Filmen zu ihrem Lieblingssport aufweisen. Doch seien wir mal ehrlich. Es gibt viel zu Wenige! Umso schöner ist es da, dass mit „Starting 5“ ein neuer Basketball-Film in den Startlöchern steht. Der Film über die Hamburg Towers dürfte sportarten-übergreifend einer der wenigen Filme sein, welcher einen Zweitligisten portraitiert. Der Film beziehungsweise der Trailer versprechen schon einmal viel und zeigen, dass diese wunderschöne Sportart auch das Interesse von offensichtlich erstklassigen Filmemachern weckt. Nun ist es an uns, dass die Mühen nicht vergebens waren. Denn nur, wenn genügend Menschen ins Kino gehen, sich gegebenenfalls für den Kauf einer DVD entscheiden und ihr Interesse signalisieren, bekommt der Film und die Sportart auch über ihre lokalen Grenzen viel Aufmerksamkeit. Wenn der Basketball wachsen will, braucht es genau diese hochwertig produzierte und emotional aufgeladene Aufmerksamkeit, für welche wir zum Teil selbst sorgen können und auch entsprechend verantwortlich sind. Also auf geht´s!

Position 5 – Vertragsverlängerung(en) in Bamberg

Aktuell vergeht gefühlt kaum eine Woche ohne Vertragsneuigkeiten aus Bamberg. Die mittlerweile gewohnte Video-Ankündigung einer signierenden Hand erscheint wieder und wieder. Dafür gebührt den Franken großer Respekt. Denn sie schaffen es, die vorhandenen finanziellen Mittel und den funktionierenden Kadern effektiv einzusetzen – auch Spieler, welche scheinbar etwas im Formtief oder am hinteren Ende der Bank zu finden sind, verlänger(te)n langfristig. Über die aktuell laufende Saison hat der deutsche Meister gleich 14 Spieler gebunden. Nochmal: Vierzehn!

Causeur, Vertrag bis 2018. Staiger, 2018. Miller, 2018. Kratzer, 2018. Zisis, 2019. Nikolic, 2019. Heckmann, 2019. Radosevic, 2019. Strelnieks, 2019. Kulboka, 2019. Lo, 2019. Olinde, 2020. Harris, 2020. Keppeler, 2020.

Ein sagenhafter Anblick, welcher abermals verdeutlicht wie weit die Bamberger der Konkurrenz überlegen sind. Manch einer ist aufgrund dieser Situation gefrustet oder gelangweilt, durchaus zurecht. Brose Bamberg tut aktuell viel dafür, dass dies auch in den nächsten Jahren so sein wird. Doch dafür gebührt ihnen ein großer Respekt. Hut ab für diese strategische und perspektivische Kaderzusammenstellung.


BIG Abo

Jeden Monat BIG als erstes lesen, druckfrisch in Deinem Briefkasten für nur 40 Euro!

Jetzt Abo bestellen

BIG Sonderheft 16/17

Sonderheft 16/17 (BIG #57) einzeln bestellen, ohne Abschluss eines Abos.

Jetzt bestellen

BIG Probeabo

Vier Ausgaben BIG zum Probierpreis von 15 Euro!

Jetzt Abo bestellen

BIG Geschenkabo

Das größte Geschenk: BIG für nur 40 Euro verschenken, keine Kündigung erforderlich!

Jetzt Abo bestellen

BIG als ePaper

BIG auf mobilen Endgeräten für Android und Apple!

Jetzt ePaper bestellen

BIG - Leseproben

 





BIG Facebook Feed

BIG Player



bballdirekt


BIG Social

BIG auf Facebook

big facebook

BIG auf Twitter

BIG Kontakt

BIG | Das Magazin
Tieckstrasse 28
10115 Berlin

Fon: 030 / 85 74 85 8 - 50
Fax: 030 / 85 74 85 8 - 58

E-Mail senden