24
Feb

Hagen plant schon mal

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern.

 

Position 1 – Tübingen: im richtigen Moment voll da

Hagen ist seit Dezember aus dem Verkehr gezogen, Vechta dümpelt im Tabellenkeller umher – der Abstiegskampf in der aktuellen Spielzeit ist nicht gerade hoch spannend. Denn der Kampf um den sportlichen Verbleib beschränkt sich (mehr oder weniger) auf drei Teams: Braunschweig, Tübingen und Vechta. Während die Basketball Löwen hin und wieder einen Erfolg einfahren und damit in regelmäßigen Abständen die Unkenrufe aus der Offseason verstummen lassen, rangiert vor allem auch das Tiger-Gespann aus Schwaben unter den eigenen Erwartungen. (Ja, Würzburg tut das auch – wird aber nicht absteigen.) Bei den WALTER Tigers nahm der Zorn des Anhangs deshalb im Januar immer mehr Fahrt auf. Schließlich hatte man seit Ende November zwar ansprechende aber wenig erfolgreiche Leistungen gezeigt. Nun ging es an den ersten beiden Februar-Wochenenden gegen Vechta und Würzburg. Dies waren zwar keine Abstiegsendspiele, wohl aber wegweisende Big-Point-Games. Wäre es nach den eigenen Fans gegangen, wäre der Kopf von Headcoach Tyron McCoy bis zu diesem Moment längst gerollt, denn die Entlassung schien der einzige Ausweg.

Doch die Verantwortlichen um Robert Wintermantel reagierten besonnen und bestärkten McCoy. Zumindest kurzfristig war dies der richtige Schritt – denn Tübingen gewann gegen Vechta sowie in Würzburg und sicherte sich damit nicht nur vier Punkte, sondern auch beide direkten Vergleiche: Das Team war zum richtigen Zeitpunkt voll da.

Die Universitätsstädter haben zwar weiterhin nur fünf Saisonsiege – doch das dürfte reichen. Denn Vechta hat schließlich nur einen. Und würde dementsprechend noch fünf benötigen, um Tübingen zu überholen. Zwar möglich, aber zumindest so schwierig, dass man die kommenden Wochen nun entspannter angehen kann.

Position 2 – TOP FOUR

Möglicherweise ist es etwas fehlgeleitet, wenn man einen Blog schreibt – doch der Versuch wird nun gestartet: einmal die Augen schließen und an das vergangene Wochenende und das TOP FOUR zurückdenken. Ja, Augen zu.

Jeder von uns hat beim Blick zurück sicherlich andere Gedanken. Ob dies nun feiernde Bamberger, trauernde Münchner, lautstarke Berliner, kämpfende Ludwigsburger oder gänzlich andere Gedanken sind, sei einmal egal. Denn ich möchte auf einen anderen Punkt hinaus: die Besucherzahlen. Die Mercedes-Benz Arena erlebte am vergangenen Wochenende kein Basketball-Fest. Maximal ein kleines. Denn gefühlt war die Hälfte alle Sitzplätze in der zweitgrößten Arena Deutschlands unbesetzt. Möglicherweise ein Symbolbild. Denn es lassen sich einige Schlussfolgerungen ziehen, welche alle nicht ideal für den deutschen Basketball sind.

A)     Mutmaßlich die beste Variante. Die Teams und das Event waren zu bekannt – wenige potenzielle Zuschauer verspürten einen Reiz daran, das ganze Wochenende in der Arena zu verbringen. Bamberg war der turmhohe Favorit, Berlin der außer Form geratene Underdog. Letztlich wurde es dann bedeutend enger, doch das Ergebnis war das allseits erwartete.

B)     Der deutsche Basketball interessiert einfach nicht genug Menschen. Ja, dies belegen auch Statistiken – denn über 50 Prozent der Bevölkerung ist unsere Lieblingssportart schlicht egal. Dies ist in Ordnung. Doch auch die knapp 16 Prozent der wenig bis sehr Interessierten wurden offenkundig nicht angesprochen. Und davon müsste es auch in Berlin ja genug geben. Doch sie kamen nicht in die Halle. Ob aus Kosten-, Zeit-, Spannungs- oder Bequemlichkeitsgründen sei einmal dahingestellt. Die Konsequenz bleibt gleich.

C)    Das Marketing der BBL ist ausbaufähig. Hat jemand (von den Berliner Lesern) Plakatkationen oder anderweitige Kampagnen gesehen, welche das sportinteressierte aber neutrale Publikum in Berlin angesprochen haben? Nein, richtig? Es stellt sich die Frage, weshalb das so ist. War kein Geld für das TOP FOUR eingeplant?  Wurde es falsch eingesetzt? Auch hier bleibt die Folgerung gleich: Zu wenige Menschen kamen vorbei. Eine vergebene Chance eines sportlichen Großereignisses – und dann am Ende ein optisch schwaches Bild auf den Rängen.

D)    Der Pokal kommt nicht an. Dies ist eigentlich eine Tatsache. Denn lediglich sieben Mannschaften konnten daran teilnehmen. In Deutschland gibt es tausende. Und diese konnten sich weder über ihren Landespokal noch sonst irgendwie für den Pokal qualifizieren. Letztlich qualifizierten sich die sieben (mutmaßlich) finanzstärksten Teams – gleich fünf kamen aus dem Süden der Republik. Dass diese Teams sich nach der Hinrunde für den Pokal qualifizieren würden, war abzusehen. Spannung und Identifikation ade.

Die BBL steckt seit Jahren Kritik für das Format des Wettbewerbs ein. Nun kamen auch (endlich) einmal die Zuschauer nicht mehr, sodass vielleicht nun der Handlungsbedarf auch erkannt und dann umgesetzt wird. Zeit wird es. Denn das aktuelle Pokalformat holt nicht einmal mehr die hartgesottensten Fans hinter dem Ofen hervor.

Position 3 – Bernau und die MBA

Seit dem Beginn der aktuellen Spielzeit läuft die Partnerschaft zwischen dem SSV Lok Bernau und ALBA BERLIN. Die Hauptstädter unterstützen den brandenburgischen Nachbarn noch intensiver – und stellen vor allem hochkarätige Nachwuchskräfte ab. Ferdinand Zylka, Tim Schneider, Robert Glöckner sowie das Brüderpaar Hundt spielt deshalb in dieser Saison beim ProB-Aufsteiger. Vor allem Zylka und Schneider sind zu Leistungsträgern avanciert und tragen maßgeblich zum guten Saisonverlauf bei. Seit geraumer Zeit führt Bernau sogar die Tabelle der ProB Nord an und darf sich aufgrund des Sieges am vergangenen Wochenende bei den Artland Dragons zurecht über den Heimvorteil in den Playoffs freuen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Süd-Gegner auf den Rängen sieben oder acht ins Ziel läuft. Dementsprechend favorisiert sind die Bernauer.

Doch der Klub will weiterwachsen und nimmt dabei die Schritte auf der Wachstumsleiter im Eiltempo. Anfang März hat dann sogar kurzfristig die schmucke Erich-Wünsch-Halle ausgedient. Bernau zieht – zumindest für das erste Playoff-Spiel – ins Zuhause des großen Kooperationspartners. Raus aus der brandenburgischen Idylle, hinein ins Großstadtgetümmel. Denn „die Lok“ wird ihr erstes Playoff-Heimspiel in der Berliner Mercedes-Benz Arena absolvieren. Dies sind gänzlich neue Maßstäbe. Denn in die eigene Halle gehen nur 541 Zuschauer – bei einer Auslastung von 98% in der regulären Saison ist hier entsprechend wenig Verbesserungspotenzial.

Auf die gesamte ProB bezogen verfügt der FC Bayern II über die größte Halle (die Zweitvertretung spielt ebenfalls im Audi Dome). Bezüglich des Zuschauerschnitts sind die Quakenbrücker ganz vorn. Doch am 11. März werden sie in beiden Kategorien zumindest einmalig die jeweiligen Statistiken mit Spitzenwerten füllen. Möglicherweise ist es vorerst nur ein Ausreißer nach oben, doch dieser belegt, dass Bernau zum einen über gute Ideen und Konzepte verfügt und zum anderen die Kooperation mit den Berlinern weiter verfestigt. Denn diese spielen im Anschluss daran in der easyCredit BBL gegen Würzburg.

Position 4 – rabenschwarzer Winter für Ulm

ratiopharm ulm im Dezember 2016? Das Maß aller Dinge! Die Donaustädter waren in der Bundesliga ungeschlagen, für den Pokal qualifiziert und auch mit einer aussichtsreichen Perspektive im EuroCup ausgestattet. Rund acht Wochen später ist dieses herausragende Bild dahin. Denn Ulm ist „nur noch“ in der BBL ein Team der Spitzenklasse. Unter anderem aufgrund der Verletzungen von Per Günther und vor allem von Tim Ohlbrecht verlor das Team von Thorsten Leibenath an wichtiger (Kader-)Tiefe. Wie unter anderem im innerdeutschen Duell gegen den FC Bayern geschehen, springen die Nachwuchskräfte zwar vorbildlich in die Bresche, doch das Niveau von „Güntherbrecht“ haben sie natürlich nicht. Unter anderem auch deshalb schied der aktuelle Vizemeister sieglos aus der Zwischenrunde des EuroCup aus und unterlag im Pokal-Viertelfinale auch in Ludwigsburg.

Die perfekte Hinrunde erhielt also einige herbe Dämpfer. Dies ist bitter, denn so verpufft der herausragende Spätherbst. Lediglich eine Belohnung können sich die Ulmer noch machen: das Einfahren der Hauptrundenmeisterschaft. Denn egal ob die Ulmer in den Playoffs auf Bamberg oder München treffen würden, die Chancen aufs Weiterkommen wären nicht exponentiell hoch. Mit einem sich durch alle Runden ziehenden Heimvorteil wäre es da schon einfacher. Zudem würde es dann weitere Rekorden hageln – und ein mögliches Playoff-Halbfinale zwischen Bamberg und München garantieren. Diese Serie, da werden mir die Meisten zustimmen, ist nicht erst seit dem vergangenen Sonntag eine reizvolle Sache.

Um die makellose Bilanz bis zum Tag der Arbeit (am 1.Mai steigt der letzte Hauptrundenspieltag) halten zu können, wird es vor allem auf die zweite Märzhälfte ankommen. Denn dann trifft Ulm binnen drei Wochen auf Berlin, Bamberg und München. Eine schwere Herausforderung. Doch auch machbar, denn schließlich zeigte man bereits in der Hinrunde, dass drei Siege aus diesen drei Spielen möglich sind. Es wäre der verdiente Lohn und faire Ausgleich für den rabenschwarzen Winter an den Ufern der Donau.

Position 5 – Hagen plant schon mal

Patrick Seidel hat es nicht leicht. Der Hagener Geschäftsführer muss sich um den Neuaufbau des Klubs und des Standortes kümmern und hat dafür zum einen wenig Zeit und zum anderen wenige Mittel. Denn seit der Insolvenz und der Einstellung des Spielbetriebes gibt es wenig Halt – und viele Fragen. Diese muss Seidel schnellstmöglich beantworten. Selbstredend ist dies viel Druck, denn die Sponsoren und Fans werden ebenso wenig wie die ProA auf ihn warten. Doch Seidel liefert auch ab.

Die Weichenstellung ist (erst einmal) geglückt. Denn Seidel holte die Vereinsikonen Bernd Kruel und Matthias Grothe für den Bereich Marketing und Sponsoring respektive als Headcoach zurück. Auch die (hohen) Ticketpreise für die nächste Saison stehen fest. Aktuell läuft zudem die Wahl des neuen (oder auch alten) Vereinslogos, bei welchem die Fans eingebunden werden. Vieles verdeutlicht also, dass Seidel das Hagener Rad am Laufen hält. Er leistet damit notwendige – und auch gute – Arbeit. Gemessen und gewogen wird diese jedoch am Ende vom Office der 2. Basketball-Bundesliga. Denn der Erhalt oder Nichterhalt der Lizenz wird darüber entscheiden, inwieweit Seidels Arbeit als Erfolg oder als vergebliche Mühe betrachtet wird. Ob das Logo und der Headcoach dann eine Rolle spielen, darf bezweifelt werden – die Entscheidungen lenken Phoenix Hagen aber zumindest wieder etwas in sportliche und ruhigere Bahnen. Und schaffen zumindest etwas Vertrauen in die Handelnden. Das Office der zweiten Liga kennt Seidel zumindest sehr gut, schließlich war er bis August noch in Essen tätig. Während sein ehemaliger Verein in akuter Abstiegsgefahr schwebt, wäre Seidel wohl heilfroh wieder dahin zurückzukehren wo er herkam: ins Mittelfeld der ProA.


BIG Abo

Jeden Monat BIG als erstes lesen, druckfrisch in Deinem Briefkasten für nur 40 Euro!

Jetzt Abo bestellen

BIG Sonderheft 16/17

Sonderheft 16/17 (BIG #57) einzeln bestellen, ohne Abschluss eines Abos.

Jetzt bestellen

BIG Probeabo

Vier Ausgaben BIG zum Probierpreis von 15 Euro!

Jetzt Abo bestellen

BIG Geschenkabo

Das größte Geschenk: BIG für nur 40 Euro verschenken, keine Kündigung erforderlich!

Jetzt Abo bestellen

BIG als ePaper

BIG auf mobilen Endgeräten für Android und Apple!

Jetzt ePaper bestellen

BIG - Leseproben

 





BIG Facebook Feed

BIG Player



bballdirekt


BIG Social

BIG auf Facebook

big facebook

BIG auf Twitter

BIG auf Instagram




BIG Kontakt

BIG | Das Magazin
Tieckstrasse 28
10115 Berlin

Fon: 030 / 85 74 85 8 - 50
Fax: 030 / 85 74 85 8 - 58

E-Mail senden