08
Mai

LuBu schenkt ab, das ist in Ordnung

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern. 

Position 1 – Max Merz. Karriereende mit 23

Vor etwas mehr als sieben Tagen verkündeten die Fraport Skyliners eine Entscheidung, welche sich intern seit Wochen bereits abgezeichnet hatte. Das Karriereende von Max Merz ist ein ungewöhnliches. Denn der Point Guard ist erst 23 Jahre alt, hätte das beste Basketball-Alter noch vor sich gehabt. Auch eine Weiterbeschäftigung in der BBL schien eine ausgemachte Sache, eine Verletzung gab es auch nicht. Warum also das Ende? Weil Merz, so sagt er selbst, nach dem erfolgreichen Studienabschluss (International Business) eine Karriere neben dem Parkett machen will. Dort sieht er für sich größere Chancen – und wohl auch Verdienstmöglichkeiten.

Der 23-Jährige hat sich für die schwierige Variante entschieden, hängt die Sneaker möglicherweise sogar endgültig an den Nagel. Er entscheidet sich damit gegen eine (wohl dauerhafte) Back-up-Rolle im Mittelfeld der BBL und für die, vorerst ungewisse, Perspektive auf dem freien Arbeitsmarkt.

Damit macht er finanziell und langfristig wohl alles richtig. Denn obwohl Merz noch nicht auf dem Zenit seiner Karriere war, wäre es wohl nicht mehr so viel nach oben gegangen. Finanziell schon gar nicht. Er wäre also in einigen Jahren vor der gleichen Entscheidung gestanden, ohne in der Zwischenzeit Geld beiseitelegen zu können. Ohne sportlich herausgeragt zu haben. Sein Hobby wäre weiterhin sein Beruf gewesen. Dieses Hobby muss nun zurückstecken. Merz (zweite) Karriere wird jedoch aufblühen.

Position 2 – LuBu schenkt gegen Berlin ab, das ist in Ordnung

In den letzten Tagen wurde intensiv über das Spiel zwischen Berlin und Ludwigsburg diskutiert. Zu offensichtlich war, dass die Schwaben den Gastauftritt nicht erfolgreich gestalten wollten. Sie wollten verlieren. Das gelang. Die 76:86-Niederlage bedeutete den achten Tabellenplatz – und damit das Aufeinandertreffen mit dem vermeintlichen Wunschgegner aus Ulm. Unter anderem Thomas Stoll titulierte den Viertelfinalgegner deshalb als „Tankingburg“. Das absichtliche Verlieren im Sport ist keinesfalls in Ordnung. Es steht zu viel auf dem Spiel. Es gibt jedoch Ausnahmen von der Regel. Eine solche Ausnahme war das Spiel am Montag. Denn dort war das absichtliche Verlieren in Ordnung.

Keine andere Mannschaft war von diesem Spielergebnis abhängig, schließlich war es der letzte Spieltag und zudem waren bereits acht Teams für die Playoffs qualifiziert. Klar war zudem, dass der Gewinner sicher Tabellensechster und der Verlierer sicher Achter werden würde. Berlin und Ludwigsburg konnten es also unter sich ausmachen, wer gegen München „muss“ und wer gegen Ulm „darf“. Sicherlich waren die Hauptstädter in einer etwas schwierigeren Lage, denn nachdem man eine durchwachsene Saison erlebte, den Trainer just gefeuert hatte und die Fans unzufrieden schienen, war ein versöhnlicher Hauptrundenabschluss sicherlich hilfreich. Dennoch hätte auch Berlin absichtlich nicht 100 Prozent geben können. So oder so wurde niemandem etwas vorgemacht. Jeder Fan konnte sich bereits vor dem Spiel ausmalen, was passieren konnte (lies: würde).

Sollten die Riesen gegen Ulm ausscheiden, könnte es sein, dass sie in der nächsten Saison nicht europäisch spielen werden. Das ist das Risiko. Durch den gestrigen 96:93-Sieg in Ulm steht jedoch schon jetzt fest, dass es noch mindestens zwei Heimspiele geben wird. Berlin hat unterdessen wohl nur noch eins. Ludwigsburg kann sich durchaus berechtigte Chancen auf ein Weiterkommen machen. Sollte das Team das Halbfinale erreichen, werden sich sicherlich sehr viele Menschen ärgern. Zurecht. Dennoch würde Ludwigsburg aus der eigenen Situation das Maximale rausholen ohne, dass ein anderes Team dadurch benachteiligt würde. Dann hätten sie (aus ihrer Sicht) alles richtig gemacht.

Position 3 – Rockets veredeln die Cinderella-Story

Sie waren eine der Enttäuschung in der ProA-Hauptrunde: Doch der Monat April brachte die Wende, der Mai dann endgültig die Party-Stimmung nach Thüringen.

Doch beginnen wir etwas weiter vorne. Die Saison 2016/2017 verlief in Thüringen turbulent. Zuerst der Umzug von Gotha nach Erfurt, insgesamt sechs Wechsel im Kader und zudem die Entlassung des Coaching Duos Ensminger/Esterkamp – die Oettinger Rockets schienen sich zwar in die Playoffs gerettet zu haben, doch nun würde die Saison recht schnell enden, wurde gemutmaßt. Doch nichts dergleichen. Erfurt schmiss die haushoch favorisierten Crailsheim Merlins 3:1 raus. Und plötzlich standen nur noch die Niners aus Chemnitz zwischen dem Erreichen des großen Ziels. Auch von einem 0:2-Serienrückstand ließ sich das Team von Ivan Pavic im Halbfinale nicht abhalten, kämpfte verbissen. Hierdurch wurde die Serie ausgeglichen – und auch am Ende gewonnen. Party und Freude pur. Denn die Playoffs retteten nicht nur die Saison, sondern heben die Stadt und das Umfeld auf ein völlig neues Level. Ab nächster Saison ist Bundesligabasketball in der Messehalle angesagt. Dann wird die Halle auch sicherlich nicht mehr beleget sein, wenn Spieltag ist (wie es bei den aktuell laufenden Final-Spielen der Fall ist, beide w(e/u)rden in Weißenfels ausgetragen).

Die souverän und leidenschaftlich geführten Playoffs verdienen einen großen Respekt. Zudem gelang den Rockets ein weiterer, toller Aspekt. Denn der dritte und entscheidende Sieg wurde am dritten Todestag von Dirk Kollmar errungen. Der viel zu früh an Herzversagen verstorbene Oettinger-Boss gründete 1998 den Verein und hatte die Vision aus Gotha einen Erstliga-Standort zu machen. 2017 ist dies Wirklichkeit geworden. Welch perfekte Randnotiz!

Position 4 – Wasserburg dominiert weiterhin – mit den falschen Mitteln?

Die Bamberger Dominanz der letzten Jahre ist zu viel des Guten? Dann sollte der Blick nicht in die DBBL gehen. Denn dort zog Wasserburg auch in diesem Jahr einsam seine Kreise. Die Spielerinnen aus dem Südosten Bayerns wurden zum fünften Mal in Folge deutscher Meister. Abermals war das Ganze eine klare Geschichte: In der Hauptrunde gab es 20 Siege aus 22 Spielen. In den Playoffs folgten weitere sieben aus sieben. Dass Wasserburg am Ende die Meisterschaft gewinnen würde, war klar. Denn nach der Aufkündigung des Gentleman Agreements sind die Einsatzzeiten für deutsche Spielerinnen noch einmal gesunken. Innerhalb der Saison standen 16 Spielerinnen im Kader der Bayerinnen. Nur drei (!) waren deutsch. Wenn die Nationalität keine Rolle spielt, ist es noch wahrscheinlicher, dass der Wohlhabendste gewinnt. So auch in diesem Jahr.

Georg Eichler und sein Trainergespann machen gute Arbeit, den deutschen Basketball fördert dieses Konzept jedoch nicht. Denn beim deutschen Meister spielen keine deutschen Spielerinnen. Hoffentlich bekommt die DBBL dieses „Problem“ in Ordnung – und hoffentlich bekommt es der Herren-Basketball gar nicht erst.

Position 5 – JBBL und NBBL tragen ihre Früchte

Dirk Nowitzki. Und dann war lange (Kaman, Ohlbrecht und Pleiß ausgenommen) nichts. Erst vor einiger Zeit kamen Dennis Schröder und im letzten Sommer schließlich Paul Zipser hinzu. Deutsche Spieler sind in der NBA mittlerweile wieder gefragt – gleich mehrere rechnen sich beim Draft gute Chancen aus. Moritz Wagner, Kostja Mushidi, Isaiah Hartenstein. Sie alle haben sich für die Talentziehung der besten Basketballliga der Welt angemeldet. Um ihren Marktwert zu testen, aber auch um langfristig ans Ziel ihrer Träume zu kommen. In die NBA.

Kein Spieler dieses Trios spielte in der besten deutschen Liga eine Rolle, doch alle machen sich berechtigte Hoffnungen auf eine Rolle in der besten Liga der Welt. Und dies liegt am mittlerweile hervorragenden System der Jugend- und Nachwuchsbundesliga. Die U16- und U19-Bundesliga sind etabliert, hoch angesehen und, zumindest in der Spitze, auf einem guten Niveau. Deutsche Nachwuchsbasketballer sind wieder wer. Wecken Begehrlichkeiten. Zudem haben diverse NBBL-Alumni schon unter Beweis gestellt, dass sie über das entsprechende sportliche Niveau verfügen und auch im Herren-Bereich mithalten können. Das diesjährige Draft-Trio ist da nur die schillernde Spitze eines mittlerweile glänzenden Eisberges.

Gut ist zudem, dass die JBBL im kommenden Sommer einen neuen Spielmodus erhält, welcher dann noch leistungsorientierter ist. Den deutschen Basketball-Talenten wird dies guttun. Plötzlich scheint es, dass drei Deutsche in der NBA bald ein Dauerzustand sein könnten. Denn die Perspektive stimmt. 


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