23
Mai

Gut, dass es den Pfiff der Woche gibt

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern. 

Position 1 – Gut, dass es den Pfiff der Woche gibt!

Was sorgte Spiel fünf zwischen Ulm und Ludwigsburg nicht für Aufregung! Letztlich nahmen die Schiedsrichter (leider!) erheblichen Einfluss auf den Ausgang des Spiels. Die MHP RIESEN legten gegen eine (Tatsachen-)Entscheidung Protest ein, dies ist zwar möglich, wohl aber nicht erfolgsversprechend. Die Liga wies diesen als unbegründet ab. Eine Erklärung, was genau passiert war, weshalb der Protest unbegründet sei und wie diese Schiedsrichter-Entscheidungen zu Stande kamen, gab es bisher nicht.

Nun hat die easyCredit BBL aber auf ihren Social-Media-Kanälen gut reagiert, denn sobald die Entscheidung rechtskräftig ist, wird es zu dieser Thematik den „Pfiff der Woche“ geben. Zumindest eine, wenn nicht gar beide Entscheidungen (zweites „T“ für John Patrick, erstes „T“ für D.J. Kennedy) werden dann aufgeklärt. Das ist wichtig und richtig. Dennoch ist es schade, dass weder die BBL noch irgendein Verantwortlicher bisher zu diesem Sachverhalt Stellung bezogen hat. Denn seit Donnerstag wird nun auf den Schiedsrichtern rumgehackt. Die BBL hätte mit einer Aufklärung der Situation entweder den drei Unparteiischen den Rücken stärken können. Oder aber auch einfach dazu stehen können, dass möglicherweise eine Entscheidung tatsächlich falsch war. Auch dann hätte man die Situation entschärfen können. Doch darauf wurde unerklärlicherweise verzichtet. Denn je länger der Konflikt schwelt, desto mehr schadet er der Liga. Und das bringt keinen weiter.

Position 2 – Zweite Liga vergibt Möglichkeit der Transparenz

Am 11. Mai ließen die Verantwortlichen der 2. Basketball-Bundesliga die Bombe platzen: Keine Lizenz für Schwenningen. Aufgrund der in der Vergangenheit getätigten Äußerungen der Verantwortlichen machte sich in den Social-Media-Netzwerken schnell Häme breit. „Ha, die Schwenninger schwingen sich zum Robin Hood des Europa- und Arbeitsrechtes auf und schaffen es dann nicht einmal, den Lizenzantrag richtig auszufüllen“, war eine durchaus häufig geäußerte Meinung. Die Entscheidung sorgte vielerorts für Genugtuung.

Doch die Transparenz der Mitteilung sorgt für Unverständnis. Zumindest bei mir. Denn anders als die easyCredit BBL hat das Unterhaus auf die Nennung von Gründen in der Lizensierungs-Erklärung verzichtet. Intern wurden diese natürlich klar angesprochen, doch auch extern wäre eine solche Nennung wichtig. Denn es würde Transparenz schaffen – und die Entscheidung in diesem geilen Sport auch für nicht Hardcore-Fans vereinfachen. Denn so wird es nur noch komplizierter. Man muss die Teams mit einer Pressemeldung sicherlich nicht denunzieren. Es wäre aber durchaus im Rahmen gewesen, die Gründe für die Nichtlizensierung von Schwenningen und Karlsruhe sowie die Auflagen der anderen Klubs ansatzweise zu umreißen.

Position 3 – Willkommen zurück, Party-Zelt

Jena hatte es, Gotha hatte es, jetzt hat es Karlsruhe. Klar, die Rede ist vom „Zelt“, von der „blauen Hölle“, welche sowohl in Ost- als auch in Westthüringen schon erfolgreich ihren Dienst getan hat. Jena verfügt mittlerweile über eine eigene Halle, die Rockets sind nach Erfurt umgezogen. Beide Mannschaften fühlten sich in der Übergangs-Spielstätte wohl und profitierten von der einmaligen Atmosphäre. Nun ist das Zelt in den Besitz der PSK Lions übergegangen. Nach drei Aufstiegen in drei Jahren ist die Halle der Friedrich-List-Schule endgültig nicht mehr tragbar. Und die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs verfügt nicht über eine Halle, welche für die 2. Basketball-Bundesliga tauglich wäre. Sicherlich gibt es in der Spiel- und Veranstaltungsordnung mehr als eine Vorgabe, doch wesentlich ist, dass mindestens 1.500 Zuschauer reinpassen müssen. Platz für 1.500 Zuschauer? In Karlsruhe Fehlanzeige.

Der Aufstieg in die ProA ist dennoch möglich, denn die besagte Leichtbauhalle kommt. Fans und Verantwortliche werden sich freuen. Zurecht. Denn neben dem neuen Level, auf welches sich der Klub hebt, werden die ohnehin schon attraktiv gestalteten Lions-Heimspiele weiter aufgewertet. Denn atmosphärisch werden nur sehr wenige Hallen mit dem Zelt mithalten können. Für Basketball-Groundhopper ist der Trip zu den Lions spätestens jetzt also eine Pflichtveranstaltung.

Position 4 – Cool, Dennis!

Die Basketball Löwen Braunschweig konnten in der vergangenen Spielzeit nicht gerade häufig mit positiven Schlagzeilen aufwarten. Am Ende der Saison stand zwar ein überraschend positives Nichtabsteiger-Fazit, doch wenn sich der Status quo in Niedersachsen nicht schnell ändern sollte, wäre der Gang in Liga zwei in den nächsten Jahren unausweichlich. Nun hat sich Braunschweigs berühmtester Sportler (ja, trotz aller Fußballer ist das Dennis Schröder) dazu aufgeschwungen, seinem Jugend-Verein unter die Arme zu greifen. Das besondere Verhältnis zu Liviu Calvin dürfte dabei ebenso zum Tragen gekommen sein, wie sein neuer Multi-Millionen-Dollar-Deal. Schröder hat ausgesorgt. Doch obwohl er sich gerne etwas gönnt, möchte er auch den Braunschweiger Basketballern etwas geben. Genauere Informationen bezüglich der Unterstützung hat der Verein noch nicht verlautbaren lassen. Man wird sich in den kommenden Wochen noch intensiv mit Schröder über viele Möglichkeiten austauschen.

Doch allein das Signal ist schon Gold wert. Denn Schröder kann sowohl mit seinem Namen als auch mit seinem Geld helfen. Entweder dadurch, dass er selbst zum Sponsor wird. Oder aber dadurch, dass weitere Sponsoren angelockt werden. Denn wo Schröder ist, ist Medienpräsenz. Und dort ist auch keinesfalls Zweitklassigkeit. Die Basketball Löwen scheinen einen guten Schritt voran gekommen zu sein: Es herrscht wieder Aufbruchstimmung.

Position 5 – U18-Europameisterschaft. In Chemnitz? Gut so!

Am vergangenen Samstag tagte zum ersten Mal seit 53 Jahren die Generalvollversammlung der FIBA Europe in Berlin. Doch dies war keine herausragend gute Neuigkeit, sondern die Vergabe der U18-Europameisterschaft. Deutschland, genauer gesagt Chemnitz, erhielt den Zuschlag. Schön! Denn seit dem Jahr 2010 gab es kein Jugend-Turnier mehr in Deutschland. Einzige Ausnahme: Das Albert-Schweitzer-Turnier, aber dies ist bekanntlich keine reguläre Meisterschaft. 2018 nun also Chemnitz. Richard-Hartmann-Halle.

Diese Halle ist bis dahin möglicherweise nicht einmal mehr Spielort der ansässigen NINERS Chemnitz, denn nachdem diese schon mehrfach in die größere Messehalle auswichen, könnte bei einem Aufstieg wohl endgültig Schluss im geliebten Wohnzimmer sein. Doch auch wenn bis zum kommenden Sommer die NINERS aus der Halle ausziehen sollten, ist es gut, dass dort die Europameisterschaft der U18-Jungen stattfinden wird. Denn das Flair dieser Halle ist ein Sinnbild für den im Osten über Jahre gewachsenen Basketball-Spirit: Weißenfels, Jena, Gotha/Erfurt, Dresden, Leipzig – alle Profi-Standorte sind nicht sehr weit entfernt. Die Fans werden dieses Turnier sehr gut annehmen und wie so oft für eine tolle Atmosphäre sorgen. Das scheint sicher. Die Region wird belohnt. Vielleicht sogar mit einem Turniersieg. Denn der Kader könnte relativ ähnlich zum aktuellen Albert-Schweitzer-Champion sein. Isaiah Hartenstein, Kostja Mushidi, Richard Freudenberg… Ein Pflichttermin. Nicht nur für Sachsen.


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