05
Jun

Österreich: Budgets bestimmen Ausländer-Anzahl

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern. 

Position 1 – Breunig und Richter teilen ihr Leid

Die Verpflichtung von Martin Breunig galt vor dem Beginn der Saison 16/17 für die MHP Riesen als einer der Steals des Sommers. Ein junger, talentierter und deutscher Bigman, welcher zudem in der easyCredit BBL eine tragende Rolle übernehmen könnte. Ein dreiviertel Jahr später ist klar, dass die Kombination Breunig-Ludwigsburg, Ludwigsburg-Breunig nicht passt. Durchschnittlich spielte der 25-Jährige acht Minuten und machte 2.1 Punkte. Dabei fiel auf: Je mehr er spielte, desto besser fand er ins Spiel und empfahl sich für größere Aufgaben. Eigentlich. Denn John Patrick sah dies anders. Ludwigsburg löste den Vertrag mit Breunig auf, welcher nun nach Bonn wechselt.

Dort verdrängt/füllt er die Lücke, welche durch den Abgang von Johannes Richter entsteht. Dieser kann, wie auch Breunig, mit seiner vergangenen Saison nicht zufrieden sein. Denn auch er spielte kaum. Die Statistiken sind sogar frappierend parallel. Auch Richter spielte durchschnittlich acht Minuten, machte 2.2 Punkte und bekam keine richtigen Chancen. Er sucht nun das Weite. Breunig wiederum hofft darauf, dass er – trotz aller Ähnlichkeiten – bei den Telekom Baskets besser Fuß fassen wird. Denn eine weitere Acht-Minuten-Saison kann er sich nicht erlauben. Gleiches gilt für Richter. Doch wohin sein Weg führt ist noch nicht klar, auf alle Fälle sollte er aber nicht nach Ludwigsburg.

Position 2 – Göttingen zieht die Jugend zurück (inklusive Update)

Die BG Göttingen wächst und wächst! Das neue Trainingszentrum wird diesem Wachstum ebenfalls gerecht – nicht jedoch die Jugendabteilungen. Denn obwohl diese in die Playoffs (NBBL) kamen, respektive den Klassenerhalt souverän sicherten (JBBL), werden beide Teams in der kommenden Saison nicht mehr in den Eliteklassen zu finden sein. Denn beide ziehen sich zurück. Die Meldung der Liga vom 19.05., dass sich das Teilnehmerfeld der Qualifikationsrunden verändern würde, da Göttingen beide Mannschaften zurückzieht, überrascht. Sehr sogar. Denn auf der Website der BG findet sich dazu nichts. Keinerlei Info pro oder kontra Jugend-Basketball, nicht einmal eine Richtigstellung. Im Gegenteil! Die letzten Meldungen auf der Website sprechen davon, dass man einen neuen NBBL-Heacoach gefunden habe, die Tryout-Termine laufen würden etc.

Hier stimmt doch irgendetwas nicht! Hoffentlich erfahren wir bald, was los ist und wieso es in Göttingen nicht weitergeht.

Update (06.06., 14:47 Uhr): Ein Gespräch mit BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen sorgt für die bislang fehlende Erläuterung (und verdeutlicht, dass es hier ein Missverständnis gab). Göttingen hatte zusätzlich zu den zwei bereits in NBBL/JBBL spielenden Mannschaften zwei Lizenzen beantragt. Es bestand also die Möglichkeit, dass vier Teams aus der Universitätsstadt in den beiden Eliteligen hätten spielen können. Letztlich wurden diese Planungen jedoch nicht konkret. Der Status der vergangenen Saison bleibt also erhalten.

Position 3 – IBAM mit dem nächsten Schritt

Im Jahr 2009 riefen der MTSV Schwabing und der TSV München Ost das Projekt „Team Basket München Nord“ ins Leben, um so Nachwuchsspieler an den Leistungsbasketball heranzuführen und zu fördern. Da beide Vereine nicht sehr hochklassig spiel(t)en, kooperierte man anfangs mit den Crailsheim Merlins. Seit der Gründung sind einige Jahre vergangen, dennoch gehört man auch in der Nachwuchs- und Jugend-Basketballbundesliga zu den Projekten mit einer kurzen Vergangenheit. Umso schöner ist es zu sehen, dass es Headcoach Robby Scheinberg gelungen ist, dass Projekt nun bis ins NBBL Top4 zu führen, der besten Plattform des Nachwuchsbasketballs in Deutschland. Mehr noch. Das vor einigen Jahren in IBAM (Internationale Basketball-Akademie München) umbenannte Projekt schlug ALBA BERLIN und zerstörte die Titelhoffnungen von Ferndinand Zylka und Co., welche bei ihrem vierten Top4 Auftritt in Folge erneut ohne Titel blieben.

Stattdessen gab es ein Münchner Stadtfinale gegen den FC Bayern. Obwohl man in der Hauptrunde tabellarisch und mit Blick auf das Ergebnis den großen Stadtrivalen hinter sich ließ, unterlag man im Finale. Doch Oscar Leon da Silva und seine Mannschaftskollegen müssen sich deshalb nicht grämen. Sie haben herausragendes geleistet und das Projekt auf das nächste Level gehievt. Spätestens seit dem Turnier in Frankfurt wissen alle, dass München zwei exzellente Teams beherbergt. Und auch diese machen Karriere – da Silva wechselt schließlich in diesem Sommer nach Stanford.

Position 4 – Hamburg und Köln rüsten sich für Liga eins

Bereits seit zwei Jahren gelten die Hamburg Towers und die RheinStars Köln zu den Teams, welche man in der ProA in den erweiterten Favoritenkreis im Kampf um den Aufstieg zählen kann. Doch trotz aller finanziellen Mitteln kam bisher wenig dabei rum. Hamburgs fünfter Platz in der Saison 2015/2016 ist da noch einer der positiven Ausreißer. Dennoch gilt an beiden Standorten, dass man sich schnellstmöglich gen BBL entwickeln möchte, um die Projekte nicht zu gefährden und auch um sich langfristig innerhalb der Großstädte durchsetzen zu können. Anders als in den letzten Jahren scheint sowohl in Köln als auch in Hamburg nun der entscheidende Schritt möglich – beide rüsten auf.

Köln tut dies ganz „klassisch“ auf der Trainerposition. Die Verpflichtung von Denis Wucherer katapultiert den Standort nach vorne – und Gießens Erfolgscoach kann nun zeigen, ob er erneut deutsche Spieler entwickeln, ein Teams überperformen lassen und Etats sinnvoll nutzen kann. Falls ja, landet Köln zumindest in den Top4.

Etwas anders stellt sich die Situation dagegen bei den Towers dar. Im Gegensatz zu Köln legten diese in der vergangenen Saison einen sportlichen Rückschritt aufs Parkett – und reagierten gekonnt. Denn bereits jetzt stehen einige wichtige Personalien fest: Enosch Wolf, Anthony Canty (und Lars Kamp) bleiben, Jonathon Williams kehrt als Liga-Topscorer nach Hamburg zurück. Obwohl dies erst der Anfang ist, scheint schon jetzt klar, dass Hamburg deutlich weiter vorne in der Tabelle zu finden sein dürfte. Verdient hätte es der Standort allemal.

Position 5 – Österreich: Budgets bestimmen Ausländer-Anzahl

In den deutschen Profi-Ligen sind die Lizenzverfahren seit einigen Wochen beendet, bis auf einige Klubs wissen alle Bescheid, in welcher Liga sie spielen werden. Am Donnerstag stand nun auch in Österreich die Lizensierung an. Alle neun Bundesligisten (acht (!) qualifizieren sich für die Playoffs) erhielten eine Lizenz, jedoch nur zwei ohne Auflage. Alle anderen sieben Teams haben Einschränkungen.

Diese Einschränkungen betreffen jedoch nicht, wie man annehmen könnte, die Halle, die Mitarbeiter oder die Jugendteams, sondern beziehen sich konkret auf die Anzahl der „Legionäre“. Nur die Mannschaften aus Kapfenberg und Gmunden dürfen fünf internationale Spieler einsetzen – alle anderen Teams weniger. Gleich vier Teams dürfen gar nur zwei Legionäre aufs Parkett schicken. Die Liga gibt also offiziell vor, dass die Vereine (je nach Budget) unterschiedlich viele internationale Spieler verpflichten dürfen. Man stelle sich das mal in Deutschland oder bei EuroLeague-Klubs vor?! Berlin und Ulm dürfen nur vier Ausländer verpflichten, während Bamberg und München sechs einstellen dürfen. Der Aufschrei wäre riesig. In Österreich ist er es jedoch nicht. Auf meine Nachfrage bei der Liga, ob dies denn nicht eine Art der Diskriminierung sei, bekomme ich die Antwort, dass dies zum Schutz der Wirtschaftlichkeit der Vereine beitrage, man wolle einen zweiten „Fall Güsing“ vermeiden. (Der damalige Primus musste während der Saison Insolvenz anmelden und stürzte die Liga ins Chaos). Doch gerade mit dem „Fall Hagen“ im Hinterkopf wirkt dieses Lizensierungsverfahren nochmals skurriler. Den Basketball bringt es in Österreich jedenfalls nicht voran. Schade.


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