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Nov

ratiopharm ulm? Weiter machen!

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben des Blogs werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern.


Position 1 – Kostja Mushidi und Mega Leks: (Neu-)Start geglückt

Dennis Schröder, Paul Zipser und Isaiah Hartenstein haben ihm etwas die Bühne gestohlen: Kostja Mushidi ist eines der größten Talente, welches Basketball Deutschland in diesem Jahrtausend hervor gebracht hat. Aus Bonn kommend ist er nun über die Zwischenstation Straßburg in Sremska Mitrovica angekommen. Beim serbischen Klub Mega Leks will sich der 18-jährige Shooting Guard nachhaltig durchsetzen. Mushidi gilt, wohl zurecht, als schwieriger Kopf. Als Spieler der alles auf die Karte Basketball setzt. Er ließ seine niederrheinische Heimat und eine mögliche Ausbildung hinter sich und versuchte beim (damaligen) Euroleague-Club IG Straßburg den Durchbruch zu schaffen. Der große Sprung blieb jedoch aus. Nun folgt also der nächste Versuch in Serbien.

Mega Leks scheint dabei genau passend. Der 1998 gegründete Klub hat sich besonders der Entwicklung junger Spieler – vornehmlich bei BeoBasket unter Vertrag – verschrieben. Diese jungen Spieler können sich mit reichlich Spielzeit im Rücken entwickeln, Wettkampfpraxis auf hohem Niveau sammeln und sich für weitere Aufgaben empfehlen. Mushidis Vorgänger sind dabei mit Nikola Peković, Boban Marjanović oder auch Nikola Jokić durchaus namenhaft.

Mushidis „mit dem Kopf durch die Wand“-Einstellung ist hierbei von Vorteil. Der 18-Jährige macht sich aus den großen Fußstapfen wenig – und kommt in der adriatischen Liga und der Basketball-Championsleague auf verhältnismäßig viele Spielanteile (rund 20 Minuten). 8.6 Punkte, 1.3 Assists und 2.5 Rebounds bestätigen die aktuell gute Form. Außerdem bestätigt es die Entwicklung des Jahres 2016. Ausgehend von einem (Kurz-)Einsatz für Straßburg ist er während des Albert-Schweizer-Turniers voll durchgestartet. Spätestens der Sieg bei der inoffiziellen U18-WM mit dem deutschen Team und die Auszeichnung zum MVP des Turniers dürften ihm viele neue Möglichkeiten eröffnet haben.

Nun ist also der nächste Karriereschritt erfolgt und der Sprung nach Serbien geglückt. Sofern er sich nicht vorher für die NBA-Draft – Mushidis großes Ziel – anmeldet, wäre der Guard 2020 „draft eligible“. Zumindest im Jahr 2016 ist der Düsseldorfer diesem Traum einige Schritte näher gekommen.

Position 2 – ratiopharm ulm? Weiter machen!

Die Google-Suche „Powerhouse ratiopharm ulm“ bringt innerhalb kürzester Zeit 11.300 Ergebnisse – selbige Suchanfrage mit dem Zusatz „Brose Bamberg“ befördert gleich 122.000 Treffer auf die digitale Oberfläche… Während Bamberg also bezüglich des Suchmaschinenmarketings besser in Erscheinung tritt, ist dies in der laufenden Saison sportlich noch nicht der Fall. Bamberg spielt europäisch auf einem anderen Niveau, klar. Und auch nach der 90:59-Demontage des FC Bayern ist die Spannung etwas aus der Liga, klar. Aber ratiopharm ulm ist der deutliche Hoffnungsschimmer am Horizont. Die Ulmer arbeiten sich seit Jahren Stück für Stück in die Spitze des deutschen Basketballs vor, investieren viel Geld in ihren Nachwuchs und die Infrastruktur (Stichwort: Orange Campus) und sind zur dritten Größe in Basketball-Deutschland geworden.

Aktuell wirkt es zudem so, als würde das Team von Thorsten Leibenath den nächsten Schritt gehen können – raus aus dem Vize-Dasein, hinein in die Rolle des herausfordernden Jägers. In der jüngeren Vergangenheit stehen zwei zweite Plätze in Pokal und Meisterschaft zu Buche – ein großer Erfolg für einen Verein, welcher 2008 noch in einer Schulsporthalle spielte. Aber auch ein Plateau für mehr. Wenn Ulm sich endgültig als Spitzenteam festsetzen will, müssen Titel her.

In dieser Saison scheint dies so realistisch wie selten, denn der Kader der vergangenen Spielzeit wurde weitestgehend zusammengehalten und punktuell verstärkt. Ein Kader, welcher im letzten Jahr die großen Bamberger herausforderte und, obwohl das Ergebnis recht deutlich ausfiel, diese ins Wanken brachte. Anders als im Herbst 2015 ist ratiopharm ulm in die aktuelle Spielzeit hervorragend gestartet: 11 Siege aus 12 Spielen (inklusive EuroCup) sind Beleg der Offensivstärke des europäisch titulierten Powerhouse. Per Günther und Co. sorgen für Furore und Spektakel und sind aktuell Bambergs Jäger Nummer eins. Am 11.12. – also genau in einem Monat – steigt in der ratiopharm arena die Wiederauflage der Finalserie; bis dahin spielt Ulm in der Liga in Jena und Tübingen sowie daheim gegen Hagen und Braunschweig. Ein 12-0-Start wäre somit nicht verwunderlich. Und vielleicht schaffen es ja die Ulmer, die Bamberger entscheidend zu ärgern und ihnen ein Bein zu stellen. Wünschenswert wäre es. ratiopharm ulm? Macht genau so weiter!

 

Position 3 – Cliff Hammonds oder „Arsch auf Eimer“ in Ludwigsburg

Clifford Daniel Hammonds ist der Name des neuesten Ludwigsburger Neuzugangs – Cliff, wie der Point Guard seit seiner Zeit bei ALBA BERLIN genannt wird, ist zweifach ausgezeichneter Defensivspieler der BBL, Organisator auf dem Parkett und ein Sympathieträger par excellence. Besonders die ersten beiden Faktoren machten ihn, gepaart mit seiner bereits gesammelten Deutschlanderfahrung, zu einer idealen Verpflichtung für die MHP RIESEN. Die Mannschaft von John Patrick ist für ihre Defensivstärke bekannt. Hammonds passt somit, wie die aus dem Handwerk stammende Redewendung, wie „Arsch auf Eimer“ in das Ludwigsburger System. In ihm sehen Viele eines der fehlenden Puzzleteile im Kader der Barockstädter. Denn besonders auf den Positionen eins und drei sind die Baden-Württemberger in dieser Saison etwas unterdurchschnittlich besetzt.

Wes Washpun und Bazoumana Koné konnten die in sie gesteckten Erwartungen bisher noch nicht erfüllen – Alex Ruoff verließ den Klub scheinbar fluchtartig und (die ebenfalls BBL-unerfahrenen) Kelvin Martin und Martin Breunig konnten diese Lücke bisher nicht stopfen. Zwei Neuverpflichtungen müssen/mussten also her, um den Aufwärtstrend der letzten drei Jahre weiter fortzusetzen. Während eine noch ausstehend ist, scheint Hammonds Verpflichtung perfekt. Im „patrickschen“ System wird Wille, Defensivleistung und das Team in den Vordergrund gestellt – all das sind Selbstverständlichkeiten für den 30-jährigen US-Amerikaner. Zudem bringt er altersbedingt die nötige Erfahrung, Ruhe und Übersicht mit ein. Auch der Start glückte. Sicherlich, es war nur das Spiel gegen Proximus Spirou Charlerloi, aber es war dennoch ein Statement: 11 Punkte, 3 Rebounds, 9 Assists, 2 Steals und eine Effektivität von 21. Die Kombination Hammonds und Ludwigsburg scheint zu passen. Vielleicht sogar so gut, dass die Ludwigsburger den mäßigen Saisonstart – nach der letzten Saison muss man von mäßig sprechen – vergessen machen können und nun wieder in ruhigere Gefilde kommen.

Position 4 – Kirchheim Knights: Top-Team aus dem Nichts

Seit 2006 spielen die VfL Kirchheim Knights in der ProA, seit 2006 sind sie ein Team, welches mal überperformt und mal unterdurchschnittlich abschneidet (soweit normal). Seit 2006 sind sie ein fester Bestandteil des deutschen Unterhauses. Nicht mehr und nicht weniger. Dieses Bild scheint sich langsam aber sicher zu drehen. Und das in einer atemberaubenden Geschwindigkeit.

Doch die Geschichte beginnt an einer anderen Stelle. Nachdem die Kirchheimer sich nach ihrem Aufstieg relativ schnell in der Liga etabliert hatten, entwickelten sie sich Stück für Stück zu einem Spitzenteam der ProA. Auf zwei fünfte Plätze und einen vierten Platz folgte im Jahr 2012 der Einzug ins Playoff-Finale der 2. Basketball-Bundesliga. In einem hochklassigen Finale verloren die Ritter jedoch gegen den MBC – und verpassten die Krönung der besten Saison der Vereinsgeschichte. Aufsteigen konnten sie nämlich ohnehin nicht. Ein zu geringes Budget, eine zu kleine Halle – von allem irgendwie etwas zu wenig, um es in die BBL zu schaffen. In der Folgesaison folgte der Sturz auf Platz 15 und der Abgang von Erfolgscoach Frenki Ignjatovic gen Heidelberg. Ein Neuanfang musste her und dieser wurde mit Michael Mai auch geschafft. Der US-Amerikaner galt bei seiner Verpflichtung als Mann der ruhigen Töne und als erfolgreicher Nachwuchstrainer.

Zweieinhalb Jahre später sind die kühnsten Erwartungen übertroffen worden. Denn die Entwicklung zeigt in die richtige Richtung. Im Jahr 2015 wurde man noch Tabellenelfter – 2016 explodierte die Mannschaft dann förmlich: Platz drei und damit die Rückkehr in die Playoffs. Es folgt das schnelle Aus gegen die RÖMERSTROM Gladiators Trier, doch wer einen erneuten Rückfall erwartete, wurde positiv überrascht: Die vielen neuen Spieler taten dem Erfolg keinen Abbruch, im Gegenteil. Die Korbjäger aus der Stadt unter der Teck sind erneut an der Tabellenspitze zu finden. Aktuell punktgleich mit dem MBC auf Platz zwei. Die Kirchheim Knights sind Dank Mai wieder ein ProA-Topteam. Dennoch bleiben die natürlichen Grenzen, welche es bereits 2012 gab, bestehen.

Die Knights stehen aktuell vor der sportlichen Herausforderung, die letzte Spielzeit und das erste Drittel der aktuellen Saison zu konsolidieren – und der Gemeinderat hat ebenfalls eine Herausforderung: Eine neue Halle muss her, um den ortsansässigen Basketball nicht wieder abstürzen zu lassen. Und die Zeit drängt, denn Kirchheim ist (wieder) ein Top-Team.

Position 5 – Tibor, komm zurück nach Deutschland

Nach wie vor rätselt Basketball-Deutschland über das Verhalten von Tibor Pleiß während des Nationalmannschafts-Sommers. Genauer gesagt wird über die Auswirkungen von Chris Flemings Entscheidung spekuliert. Bleibt Pleiß im nächsten Sommer tatsächlich außen vor? Wird seine Ausbootung nicht widerrufen? Es wäre konsequent und würde Flemings-Position weiter stärken. Momentan ist es jedoch fraglich, ob Pleiß sein Dasein im weißen Trikot nicht ohnehin verspielt. Wenig Spielpraxis in Utah, ohne Chance in Philadelphia, schlechte Leistungen in der Nationalmannschaft: Tibor Pleiß befindet sich in einem absoluten Leistungsloch.

Vom Schritt zu Galatasary Istanbul erhoffte sich der Bergisch Gladbacher viel – herausgekommen ist wenig. Beim schlechtesten Team (0-5) der EuroLeague-Saison schafft es der 27-Jährige nicht, sich gewichtige Spielanteile zu erkämpfen. Nur 11.5 Minuten spielt er durchschnittlich. Rund 3.5 Rebounds und 4.5 Punkte sind dabei Beleg seiner mäßigen Form. Und dabei wäre so viel mehr möglich. Unter momentanen Gesichtspunkten wäre eine Nominierung für die Nationalmannschaft jedoch nur schwer vermittelbar, denn es gibt diverse Bigman, die besser in Schuss sind: Maik Zirbes, Joe Voigtmann, Daniel Theis, Maxi Kleber, Danilo Barthel, Tim Ohlbrecht und mit Abstrichen auch Johannes Thiemann und Elias Harris haben Pleiß allesamt überholt.

Dürfte die Eingewöhnungsphase nicht schnellstens beendet werden, wird die Karriere jedoch ein weiteres, negatives Kapitel erhalten. Anspruch (NBA) und Wirklichkeit (kein Stammplatz im SCHLECHTESTEN Euroleague-Team) passen ohnehin schon länger nicht mehr zusammen. Pleiß hat – ähnlich wie Ohlbrecht – im Ausland viel Geld verdient. Zurecht viel Geld verdient. Um die Karriere nun aber nicht vollends aus dem Ruder laufen zu lassen, wäre ein weiterer Schritt zurück vielleicht das Richtige, um mal wieder zwei Schritte nach vorne zu machen. Tibor, komm zurück nach Deutschland.


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