17
Sep

BIG-Appetizer: Bastian Doreth

Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat haben wir das Interview mit Bastian Doreth aus BIG #76 für Euch.

„Veränderungen bieten Chancen“

BASTIAN DORETH hat mit MEDI BAYREUTH eine erfolgreiche Saison gespielt, auch wenn
das glatte 0:3-Playoff-Aus gegen Ludwigsburg schmerzt. Im BIG-Interview erklärt der
Nationalspieler, warum die Franken gegen Ludwigsburg die gesamte Saison über keine Chance hatten und warum ihm der drohende personelle Umbruch im Sommer keine Sorgen bereitet

Basti, die Playoff-Serie im Viertelfinale gegen die MHP RIESEN Ludwigsburg ist jetzt schon einige Tage vorbei. Ihr habt glatt mit 0:3 verloren. Hast du das Ausscheiden schon verdaut?

Ich bin, offen gesagt, noch dabei. Wenn wir ehrlich sind, hatten wir gegen die Ludwigsburger – über die komplette Serie gesehen – keine reelle Chance. Spiel zwei konnten wir in unserer eigenen Halle knapp gestalten, haben aber auch hier keine Möglichkeiten gefunden, am Ende zu gewinnen und die Serie auszugleichen. Alles in allem war Ludwigsburg klar besser und liegt uns einfach nicht. Es ist ja kein Zufall, dass wir in dieser Saison sechs von sieben Pflichtspielen gegen Ludwigsburg verloren haben.

Drei Niederlagen in den Playoffs, zwei in der regulären Saison, eine im Viertelfinale der Champions League. Warum tut ihr euch gegen die MHP RIESEN so schwer?

Gute Frage. Wir – und nicht nur wir – haben mit der Intensität und der harten Verteidigung der Ludwigsburger zu kämpfen …

… die spielen aber nicht erst seit gestern so …

Richtig, aber das heißt ja nicht, dass es leichter wird, nur weil du weißt, was dich erwartet. Wir haben uns natürlich auf Ludwigsburg vorbereitet, versucht, die Last des Ballvortrags auf mehrere Schultern zu verteilen und den Ball möglichst oft nach innen zu bringen, weil den Ludwigsburgern mit Thiemann und Sears zwei lange Leute verletzungsbedingt fehlten.

Durchsetzen konntet ihr euch unter den Körben aber nicht. Vor allem euer Center Assem Marei tat sich schwer, blieb in den Playoffs mit 7,3 Punkten pro Spiel fast fünf Zähler unter seinem Saisonschnitt.

Das lag mit Sicherheit nicht nur an Assem, auch nicht an unserem zweiten Großen, Andi Seiferth. Wir hatten schon unheimliche Probleme, in unsere Systeme zu kommen, weil Ludwigsburg wahnsinnig viel Druck gemacht hat. Wenn unsere Center mal tief den Ball bekommen haben, wurden sie meist mit zwei oder drei Mann verteidigt, und da haben wir nicht die richtigen Lösungen gefunden. Und dann kommt irgendwann eine athletische Welle auf dich zu, auf die du nicht antworten kannst – so etwas frustriert.

Vor Spiel eins hattet ihr zehn Tage Zeit, euch vorzubereiten, Ludwigsburg steckte noch das Final Four der Champions League in den Knochen. Euer Headcoach, Raoul Korner, war froh, die Zeit zu haben, weil mit Seiferth und De’Mon Brooks zwei wichtige Spieler angeschlagen waren und so rechtzeitig wieder fit wurden. War die längere Pause eher ein Nachteil für euch?

Aus heutiger Sicht: ja. Gerade in Spiel eins waren wir überhaupt nicht fokussiert, Ludwigsburg hat uns direkt im ersten Viertel überrollt (34:15, Anm. d. Red.). Von Müdigkeit nach dem Final Four war beim Team von John Patrick nicht viel zu spüren. Allerdings ist der Kader der Ludwigsburger zum einen sehr athletisch, zum anderen sehr tief besetzt. Sie haben die Strapazen gut weggesteckt und waren einfach im Flow.

Wart ihr zum falschen Zeitpunkt der Saison müde?

Möglicherweise. Dabei sehe ich nicht nur die Playoff-Serie gegen Ludwigsburg, sondern auch die Schlussphase der regulären Saison …

… in der ihr die letzten beiden Spiele zu Hause gegen Ludwigsburg und in Würzburg verloren habt …

Genau. Vor diesen beiden Spielen waren wir noch Hauptrundenvierter und hätten in den Playoffs dadurch Heimvorteil gehabt. Wer weiß, wie die erste Runde, möglicherweise gegen einen anderen Gegner, für uns dann gelaufen wäre. Und durch die relativ lange Wartezeit bis zu unserem ersten Playoff-Spiel sind wir aus dem Tritt gekommen und haben ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Saison nicht unseren besten Basketball gespielt.

Du hast dich vor allem im zweiten Viertel von Spiel eins mit drei Dreiern gegen die drohende Niederlage gestemmt und die Hoffnungen auf ein Comeback zumindest kurzzeitig am Leben gehalten. Hattest du dir in dieser Phase bewusst vorgenommen, ein Zeichen zu setzen?

Gerade als Kapitän wurmt es mich immer ungemein, wenn wir nicht ins Spiel finden. Ich nehme normalerweise wenige Würfe, aber vor den Playoffs hatte ich mir in der Tat vorgenommen, aggressiver zu spielen und mehr zu werfen. In diesen Situationen bin ich aber auch einfach gut freigespielt worden. Leider ist der Effekt schnell verpufft.

Wie gehst du als Point Guard mit dem immensen Druck um, den eine Mannschaft wie Ludwigsburg aufzubauen versteht?

Es ist extrem schwer. Wir haben, wie eingangs schon gesagt, versucht, immer mehrere Leute auf dem Feld zu haben, die den Ball bringen können. Aber wenn dir so aggressive Kampfhunde wie David McCray – den ich aus gemeinsamen Quakenbrücker Zeiten gut kenne – gegenüberstehen, ist es immer schwer. Man muss den Ludwigsburgern einfach auch großen Respekt zollen: Sie spielen eine unheimlich effektive Verteidigung, können den Druck über 40 Minuten hoch halten und haben, anders als vielleicht in den Jahren zuvor, auch extrem gute Schützen von außen. Dieses Gesamtpaket ist schwer zu bespielen.

Wie lautet dein Saisonfazit?

Das glatte Aus in der ersten Playoffrunde soll nicht überdecken, dass wir alle unsere Saisonziele erreicht haben. Wir haben in der regulären Saison gegen sehr gute Teams sehr guten Basketball gezeigt, wir sind international richtig weit gekommen. Wir haben, wie schon in der vergangenen Saison, in Anbetracht unserer Möglichkeiten overperformed.

… womit du die Lieblingsvokabel deines Headcoaches bemühst. Schafft ihr das auch in der nächsten Spielzeit wieder? Anders als vor der vergangenen Saison könnte der Umbruch im Team diesmal größer ausfallen.

Das ist möglich. Wir haben den Großteil des Kaders in den vergangenen beiden Jahren nicht verändern müssen, das hat natürlich geholfen. Im nächsten Jahr sicher dabei sind neben mir ja Andi Seiferth, De’Mon Brooks und Coach Korner, die ihre Verträge verlängert haben. Somit ist schon ein kleines Fundament gelegt.

Robin Amaize und Steve Wachalski haben Optionen auf eine weitere Saison in Bayreuth.

Und ich hoffe, dass beide bleiben, aber das werden die nächsten Wochen zeigen. Robin beispielsweise spielt nun seit fünf Jahren unter Trainer Raoul Korner, er hat ihn in Bayreuth zum Nationalspieler gemacht. Es könnte Robin keiner verübeln, wenn er jetzt noch einmal etwas Neues ausprobieren möchte.

Korner hat gesagt, Bayreuth sei kein Top-4-Team. Pflichtest du ihm bei?

Natürlich. Wenn man auch in diesem Jahr wieder Mannschaften wie Bayern, Bamberg und Berlin sieht, dann sind wir davon noch ein großes Stück entfernt.

Was fehlt euch im Vergleich zu diesen Klubs noch?

Abgesehen von den offensichtlichen finanziellen Möglichkeiten: die Tiefe des Kaders. Auch Ludwigsburg ist uns in dieser Hinsicht voraus. Wir haben in dieser Saison im Grunde mit einer Zehn-Mann-Rotation gespielt, von denen eigentlich immer einer oder zwei angeschlagen waren. Gerade wenn du zusätzlich international spielst, brauchst du elf Spieler in der Rotation.

Spieler wie Assem Marei, Gabe York und noch einige andere könnten den Klub verlassen. Bietet ein größerer Umbruch auch eine Chance?

Veränderungen bieten immer Chancen für etwas Positives. Mit neuen Spielern verändert sich auch der Stil einer Mannschaft. Die Marke medi bayreuth steht eigentlich für eine starke Verteidigung. Man kann aber nicht gerade sagen, dass uns das in der vergangenen Saison ausgezeichnet hat. Möglicherweise kehren wir mit einem neuen Team wieder dahin zurück, wofür Bayreuth normalerweise steht.

Wenn jemand für Bayreuth steht, dann du. Anfang des Jahres hast du deinen Vertrag um drei Jahre bis 2021 verlängert; dann wirst du sechs Jahre in Bayreuth gewesen sein. Warum hast du dich erneut langfristig gebunden?

Bayreuth bietet mir die optimale Kombination aus sportlichem Anspruch und Wohlfühlatmosphäre. Mir ging es nie ums Geld, sondern in erster Linie um die sportliche Attraktivität. Ich glaube, dass die Entwicklung hier in Bayreuth noch nicht zu Ende ist, und ich möchte ein Teil davon sein. Abgesehen davon fühle ich mich privat total wohl. Im Laufe meiner Karriere habe ich festgestellt, dass ich immer dann am besten spiele, wenn ich meine Familie in der Nähe habe. Ich kann jetzt wieder in Nürnberg, meiner Heimat, leben, habe Freunde und Familie um mich herum, und auch meine eigene kleine Familie (Doreth ist verheiratet und hat einen vier Monate alten Sohn, Anm. d. Red.) fühlt sich hier total wohl.

2021 wirst du 31 Jahre alt sein. Wie klingt „forever Bayreuth“ für deine Vita?

Nicht schlecht. (lacht) Viele Sportler träumen davon, lange für einen Verein spielen zu dürfen. Auf der anderen Seite kann in diesem Geschäft viel passieren. Unser Trainer hat noch einen Zweijahresvertrag – wer weiß, was danach passiert. Grundsätzlich kann ich mir aber natürlich vorstellen, meine Karriere hier zu beenden.

Das ist wahrscheinlich noch lange hin: Mit 28 Jahren bist du, wie man so schön sagt, im besten Basketballeralter. Dein Teamkollege John Cox, 36 Jahre alt, sagte unlängst, sein Körper fühle sich an wie mit 20. Wie fühlt sich deiner an?

Wie 29? (lacht) Bei manchen scheinen die Uhren tatsächlich langsamer zu ticken, wenn ich sehe, wie John bei uns durch die Halle fliegt, wie Rickey Paulding immer jünger statt älter zu werden scheint und wie lange ein Tez Robertson mit seinen 33 Jahren noch für Frankfurt in jedem Spiel auf dem Feld steht … Ich komme morgens manchmal nur schwer aus dem Bett und mache mir keine Illusionen, dass ich auf meine alten Tage noch zum Dunking-Monster werde. (lacht)

Dafür schätzt dein Trainer andere Qualitäten an dir. Was schätzt du umgekehrt an Raoul Korner?

Er ist ein Trainer mit einer unfassbaren Aura um sich herum. Er braucht nicht viele Worte, um dir klarzumachen, was er von dir will – da reicht oft ein Blick. Er hat eine selbstbewusste Körpersprache und ist ein Siegertyp; er will immer gewinnen. Auf der anderen Seite ist er sehr menschlich; da kenne ich auch andere Coaches. Als beispielsweise mein Sohn geboren wurde, hat er mir zwei Tage freigegeben, damit ich die erste Zeit hautnah miterlebe … so etwas ist nicht selbstverständlich. Fachlich ist er ohnehin top: Er hat einen herausragenden Basketball-IQ und versteht es, eine Mannschaft nach sportlichen und charakterlichen Eigenschaften optimal zusammenzustellen.

Zumindest die kommenden zwei Jahre werdet ihr in Bayreuth noch zusammenarbeiten. Welche Entwicklung soll das Bayreuther Programm bis 2020, 2021 nehmen?

Bayreuth sollte eine etablierte Playoff-Mannschaft sein, die in jedem Jahr die Postseason erreicht – mal als Vierter, manchmal als Achter. 2019 verfügt der Klub hoffentlich schon über eine eigene Trainingshalle, die dringend notwendig ist, um vor allem dem Nachwuchs mehr Trainingszeiten geben zu können.

Ab 2019 muss Bayreuth, wie alle anderen Erstligisten, außerdem einen Mindestetat von drei Millionen Euro nachweisen.

Ich habe gemischte Gefühle, was diesen Mindestetat angeht. Manchmal kommt es mir so vor, als wolle man kleineren BBL-Standorten so das Leben schwer machen und sie zugunsten größerer Städte aus der Liga drängen. Warum sollte ein kleiner Standort, der mit zwei Millionen Euro oder weniger solide wirtschaftet, keine Schulden macht und sportlich die Klasse hält, diese Bürde auferlegt werden? Gerade die vermeintlich Kleinen sind doch das Salz in der Suppe. Andere Standards dagegen, wie etwa Hallengröße oder ein eigenes Trainingszentrum, haben ihre Berechtigung, weil sie Nachhaltigkeit fördern.

Bastian, zum Schluss die Frage, wie dein Sommerprogramm aussehen wird.

Zunächst viel Zeit mit der Familie verbringen. Dann steht im Juni das nächste Nationalmannschaftsfenster an, wo ich mich topfit präsentieren will. Wahrscheinlich werden auf meiner Position auch Dennis Schröder und Maodo Lo dabei sein, aber wenn ich meine Chance bekomme, will ich sie nutzen. Und danach geht auch schon bald die Vorbereitung auf die Vorbereitung los – für die Preseason unter Coach Korner ist man am besten gut präpariert. (grinst)

Gibt es einen Aspekt deines Spiels, an dem du besonders arbeiten willst?

Wie eben schon gesagt, wird es bei mir nicht mehr viel bringen, die Jumpsoles unterzuschnallen und an meinen Dunking-Skills zu arbeiten. (lacht) Ich werde viel Sport im Freien machen, andere Sportarten wie Fußball oder Beachvolleyball betreiben und auf dem Basketballcourt viel Eins-gegen-eins spielen. Ich bin kein großer Fan von Dribble-Drills und Hütchen, die man umkurven muss. Im Spiel verteidigt dich auch kein Hütchen, sondern ein Kettenhund wie David McCray.


Interview: Jan Finken


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