26
Okt

BIG-Appetizer: Rickey Paulding

Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat haben wir das Interview mit Rickey Paulding aus BIG #78 für Euch.

„Die Familie ist mir wichtiger als Geld“

Rickey Paulding ist der treueste Spieler der BBL. Seit elf Jahren schnürt er seine Sneaker für die EWE Baskets Oldenburg – ein Ende ist noch nicht abzusehen. Der Amerikaner ist die große Ausnahme unter seinen ausländischen Kollegen, die die deutsche Liga oft nur als Durchgangsstation sehen.

Rickey, du spielst seit 2007 für die EWE Baskets Oldenburg, hast die Meisterschaft und den Pokal gewonnen, bist jetzt zum dritten Mal zum beliebtesten Spieler der Liga gewählt worden: Welche Ziele hast du mit den EWE Baskets noch?

Grundsätzlich liebe ich es nach wie vor, auf dem Court zu stehen und Basketball zu spielen. Diesen Spaß, den ich auf dem Feld habe, nicht zu verlieren, ist zunächst das Wichtigste. Jeder Sportler will aber natürlich auch gewinnen, deswegen wäre es mein ultimatives Ziel, noch einmal die Meisterschaft zu gewinnen. Ich weiß, wie schwer das ist – wahrscheinlich schwerer als bei unserem ersten Titel 2009 – aber das ist es, was mich immer noch antreibt.

Musst du, um den Titel vielleicht noch einmal zu gewinnen, dann nicht nach München oder Berlin wechseln?

Das kommt für mich natürlich nicht infrage. (lacht) Wenn ich sage, dass ich noch einmal die Meisterschaft holen will, dann selbstverständlich nur mit den EWE Baskets.

Du spielst seit elf Jahren in Oldenburg. Gab es einmal eine Situation, in der du kurz davor warst, den Klub zu verlassen? Beispielsweise nach der Saison 2008/2009, als ihr Deutscher Meister geworden seid und du zum MVP der Finalserie gekürt wurdest? Es gab doch sicherlich Anfragen von anderen Vereinen …

Klar gab es zu dieser Zeit das eine oder andere Angebot, mit dem ich mich auch auseinandergesetzt habe. Für meine Familie und mich war aber früh klar, dass Oldenburg der Platz für uns ist, wo wir uns wohlfühlen. Es ist ideal, um Kinder großzuziehen. Oldenburg ist für uns zu einer zweiten Heimat geworden.

Wann war für euch klar, dass die Stadt das für euch wird?

Da gab es im Grunde keinen bestimmten Zeitpunkt, dieses Gefühl hat sich im Laufe der Zeit einfach entwickelt. Neben dem Privaten stimmte ja auch von Anfang an die sportliche Perspektive: Wir sind in meinem zweiten Jahr Meister geworden, konnten ein Jahr in der EuroLeague spielen und waren immer ein ernsthafter Anwärter auf die Playoffs. Was meiner Frau und mir immer mindestens genauso wichtig war, ist das Umfeld, in dem unsere Kinder aufwachsen sollen, und dafür ist Oldenburg einfach ein perfekter Ort: Die Stadt ist nicht zu groß, nicht zu klein, es gibt in der Umgebung eine Menge zu erleben, schöne Parks, die Kids fühlen sich wohl … Insofern hat beides, das Private und das Sportliche, von Anfang an gepasst.

Für viele andere ausländische Spieler ist die easyCredit BBL immer noch nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum nächstgrößeren Klub, um mehr Geld zu verdienen. Du hättest anderswo mit Sicherheit wesentlich mehr Geld verdienen können als in Oldenburg. Warum hast du dich nie fürs Geld entschieden?

Du hast recht, es gab immer mal wieder Angebote von Vereinen, die mir mehr Geld geboten haben. Am Ende des Tages ist die Frage aber immer: Ist es das wert? Ist es ein dickerer Gehaltsscheck wert, Oldenburg zu verlassen und zu einem Klub zu gehen, in dessen Umfeld oder Stadt sich meine Familie vielleicht nicht so wohlfühlt? Mir war es während meiner gesamten Karriere stets sehr wichtig, meine Familie, meine Frau und meine Kinder, bei mir zu haben, dass es ihnen gut geht und dass sie in Sicherheit sind. Letztendlich war mir mehr Geld auf dem Konto nie wert, das Glück meiner Familie zu opfern. Abgesehen davon verdiene ich bei den EWE Baskets auch nicht schlecht. (lacht)

Davon gehe ich aus … Aber gab es vielleicht einmal die Situation, dass dich andere ausländische Spieler ansprechen und dich für verrückt erklären, dass du nicht – wie sie – darauf schaust, während der Zeit als Profisportler so viel Geld wie möglich zu verdienen?

Wie sagt man so schön: Geld ist nicht alles … (lacht) Tatsächlich gab es solche Fragen in den vergangenen Jahren immer mal wieder; und es muss ja auch nicht für jeden richtig sein, so zu entscheiden, wie ich es tue. Jeder Mensch ist anders, und jeder lebt unter anderen Umständen. Ich kann verstehen, wenn sich junge Spieler, die ungebunden sind und vielleicht noch keine Familie haben, stets nach dem besten Deal umschauen. Für mich, für uns stand immer an erster Stelle, dass wir uns an einem Ort wohl- und willkommen fühlen. Die Familie ist mir wichtiger als Geld.

Dein Vertrag bei den EWE Baskets Oldenburg läuft noch ein Jahr, bis zum Sommer 2019. Was kommt danach?

Wir werden sicher rechtzeitig mit dem Verein sprechen, um zu schauen, ob und wie es nach der kommenden Saison weitergehen kann. Ich hoffe, dass ich in dieser Liga dann immer noch ein guter Spieler sein werde und der Klub mich weiter halten will. Ich für meinen Teil möchte gern weiterspielen, aber wie bei allen anderen Entscheidungen werde ich auch diese zunächst mit meiner Familie besprechen. Mögen sie es weiterhin, in Oldenburg zu leben, oder vermissen sie ihre restliche Familie in den USA zu sehr? Wir werden sehen.

Wenn du weiter so spielst wie in der vergangenen Saison, hat wahrscheinlich niemand Bedenken, dass du für die Liga nicht mehr gut genug sein könntest. Es gibt da diese eine Szene aus der Playoff-Serie gegen ALBA BERLIN, als du Coast to Coast gehst und mit einem Wahnsinns-Dunk abschließt – wie geht das mit 35 Jahren?

Ach, ich fühle mich auch mit 35 Jahren immer noch großartig. Klar hat man nach den Spielen mehr Wehwehchen als mit Anfang 20, aber das ist okay. Gerade die Playoffs machen so viel Spaß und geben dir so einen Kick, dass du nicht darüber nachdenkst, wie alt du bist. (lacht) In der Serie gegen Berlin hatte ich das Gefühl, etwas wettmachen zu müssen, weil ich in Spiel eins wirklich nicht gut gespielt habe. Wir wollten unbedingt dieses fünfte Spiel in der Serie; schade, dass es am Ende nicht ganz gereicht hat.

Als der 33-jährige Christiano Ronaldo kürzlich beim Medizin-Check seines neuen Klubs Juventus Turin war, bescheinigten ihm die Ärzte die physischen Werte eines 20-Jährigen. Wie alt ist Rickey Paulding wirklich?

Vielleicht 27? (lacht) Ich weiß nicht, ob ich in ähnlich guter körperlicher Verfassung wie Ronaldo bin, aber ich versuche schon, so gut wie möglich auf meinen Körper zu achten. Nach all den Jahren als Profi weiß ich inzwischen, was meinem Körper guttut und was er braucht. Ich stretche mich intensiv, gönne mir die eine oder andere Massage und achte darauf, dass ich genug Ruhephasen habe. Ich hatte das Glück, nie ernsthaft verletzt gewesen zu sein, das hat mir sicher geholfen, immer noch auf hohem Level zu spielen. Meine Frau achtet darauf, dass ich mich gesund ernähre, und ich versuche, immer genügend Schlaf zu bekommen.

Hat sich deine Trainingsroutine im Laufe der Jahre verändert? Legst du deinen Fokus auf andere Dinge als noch zu Beginn deiner Karriere?

Während der Saison hat sich eigentlich nicht so viel geändert, abgesehen von den längeren Erholungsphasen nach Training und Spielen. In der Offseason versuche ich aber, mir vom Basketball eine Pause zu gönnen. Klar, Wurftraining muss immer sein, aber daneben ist der Sommer für mich da, meinem Körper eine Pause vom Basketball zu gönnen, dafür aber gezieltes Krafttraining zu machen. Wenn ich in den USA bin, arbeite ich seit fünf Jahren mit einem Freund zusammen, der eine Art Personal Trainer für mich ist. Er kennt meinen Körper inzwischen in- und auswendig und weiß, wie er mich in Form bringt.

Du hast es eingangs erwähnt: Das ultimative Ziel für dich in Oldenburg ist, noch einmal den Titel zu gewinnen. Und du hast einmal gesagt, du würdest die Meisterschaft auch gern für Headcoach Mladen Drijencic gewinnen.

Das stimmt. Den Coach und mich verbindet eine besondere Beziehung. Ich finde es unglaublich beeindruckend, wie hart er gearbeitet hat und mit wie viel Leidenschaft er bei der Sache ist, um dorthin zu kommen, wo er heute ist – er hat meinen vollen Respekt! Auf dem Feld verlangt er eine Menge von dir, aber er vergisst nie, sich zu erkundigen, wie es dir und deiner Familie geht. Man kann mit ihm unheimlich gut über viele Dinge reden, die nichts mit Basketball zu tun haben. Ich würde es mir wünschen, wenn wir für ihn die Meisterschaft holen könnten, damit er weiß, wie sich das anfühlt.

Du hast dich ähnlich lobend über deine beiden anderen Headcoaches in Oldenburg, Predrag Krunic und Sebastian Machowski, geäußert …

Ja, was Trainer angeht, hatte ich in meiner Karriere bei den EWE Baskets sehr viel Glück. Predrag Krunic hat mich nach Oldenburg geholt und ist bis heute eine Art Mentor geblieben. Wir stehen regelmäßig in Kontakt – außer wenn es gegen seine Telekom Baskets Bonn geht, dann halten wir uns beide ein wenig zurück. (lacht) Coach Sebastian Machowski bin ich ebenfalls sehr dankbar: Ich konnte ja nicht wissen, ob er auf mich zählt, als er bei den EWE Baskets anfing. Das tat er aber voll und ganz; unter ihm habe ich mein Offensivspiel auf ein höheres Level gehoben.

Auch wenn du dich erst wie 27 fühlst, wirst du dir mit bald 36 Jahren vielleicht schon einmal Gedanken über die Zeit nach deiner Karriere gemacht haben. Gibt es in dieser Hinsicht schon Pläne?

Noch keine konkreten. Zunächst möchte ich so lange wie möglich auf höchstmöglichem Level spielen, und danach kann ich mir vorstellen, dem Sport in irgendeiner Weise verbunden zu bleiben – möglicherweise als Coach im Jugendbereich.

Nimmst du dann deine Söhne unter deine Fittiche? In einem früheren Interview hast du gesagt, sie hätten das Zeug, Nationalspieler zu werden!

Ach, wir werden sehen. Der eine interessiert sich derzeit mehr für Fußball, der andere für Baseball. Ich muss erst mal schauen, dass ich sie wieder auf den richtigen Pfad bekomme! (lacht) Nein, im Ernst, sie haben im Basketball Talent, aber sie sollen den Sport machen, der sie glücklich macht. Und wenn sie später in meine Fußstapfen treten sollten, wäre niemand stolzer als ich.

Interview: Jan Finken


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