03
Feb

BIG-Appetizer: Christian Sengfelder

Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus einer vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat haben wir das Interview mit Christian Sengfelder aus BIG #81 für Euch.

„Mir ist egal, wer vor mir steht“

Christian Sengfelder ist der Sprung vom College in die BBL ohne Probleme gelungen. Wie er sich in der besten deutschen Liga schnell akklimatisieren konnte, erklärt er im BIG-Gespräch


Christian Sengfelder, ist Braunschweig ein kleines, ein mittleres oder ein großes B?

(lacht) Das kann ich jetzt noch nicht beantworten, vielleicht aber am Ende der Saison.

Bamberg wurde im November mit einer 26-Punkte-Packung nach Hause geschickt.

Das war definitiv ein großer Sieg für uns. Dabei sah es zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht danach aus, da wir mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet sind. Aber gegen Bamberg haben wir erstmals richtig zu unserem Spiel gefunden und kaum Fehler gemacht. Insgesamt hatten wir nur sechs Ballverluste, dafür aber 19 Assists. Zudem waren wir defensiv deutlicher besser als zuvor, vor allem bei der Pick’n’Roll-Verteidigung. Jeder hat dem anderen so gut es geht geholfen. Dadurch ist es uns gelungen, Bamberg einfache Korbleger wegzunehmen. Diese Faktoren haben letztlich den Unterschied ausgemacht.

Nur eine Woche vorher gab es eine Niederlage gegen Aufsteiger Vechta.

In den Spielen zuvor haben wir viel zu häufig den Ball verloren. Zudem hatte es unser Auftaktprogramm wirklich in sich, mit Gegnern wie Bonn, Bayreuth, Oldenburg, Bamberg und München. Vermutlich werden diese Mannschaften zum Saisonende alle in den Playoffs stehen.

Bei dir lief es hingegen gut, trotz dieser Top-Gegner und obwohl du frisch vom College in die Liga gewechselt bist. Warum?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Fest steht aber: Die BBL ist eine sehr physische Liga. Ich glaube, mir liegt dieses körperliche Spiel einfach. Außerdem profitiere ich davon, dass mir Coach Frank Menz sehr viel Vertrauen schenkt. Er kommuniziert auch klar, was er von einem Spieler erwartet. Diese Erwartungen versuche ich schließlich im Training, aber auch im Spiel zu 110 Prozent umzusetzen. Wenn es mir dadurch gelingt, dass ich eine gute Leistung abliefere und wir auch gegen Teams wie Bamberg gewinnen, freue ich mich natürlich umso mehr.

War die Umstellung vom College hin zum BBL-Basketball dennoch groß?

Auf jeden Fall. Aber natürlich habe ich in den letzten Jahren davon profitiert, dass ich in der U20 und im letzten Sommer in der A2-Nationalmannschaft gespielt habe, sodass ich während meiner Collegezeit weiterhin im europäischen Basketball aktiv war. Trotzdem musste ich mich ein wenig umstellen, da das Spiel in der BBL viel schneller ist. In meinen ersten beiden Jahren am College hatten wir für einen Angriff noch 35 Sekunden Zeit, nach der Regeländerung waren es immerhin noch 30. Das ist natürlich ein riesiger Unterschied.

Welche weiteren Unterschiede gibt es?

In den USA gab es in den Teams insgesamt mehr Athleten. In der BBL sind die Spieler dafür viel abgezockter und gehen auch entsprechend vor. Jeder Fehler wird viel schneller bestraft. Deswegen gilt es für mich, deutlich wacher und reaktionsschneller zu sein. Zudem ist die Dichte der Kader eine ganz andere. Die Defensive fokussiert sich nicht mehr nur auf einen oder zwei Spieler. Vielmehr muss die Mannschaft als Ganzes verteidigt werden, da jeder Einzelne in der Lage ist, auf höchstem Niveau zu spielen. Deshalb ist die Vorbereitung auf die Gegner in der BBL deutlich intensiver. Es geht darum, zu analysieren, wie sich Spieler und das komplette Team in der Offensive bewegen. Oder wie genau sie das Pick’n’Roll spielen und verteidigen. Ich schaue mir dabei immer ganz genau an, wer die Blöcke auf welche Weise stellt.

Sind die Spieler in Europa weniger athletisch, weil in den USA das Krafttraining intensiver ist?

Das ist ein Grund, wobei das Krafttraining während meiner ersten drei Jahre an der Fordham University nicht außergewöhnlich intensiv war. Da ich zumindest in einer Saison für ein Top-Programm bei der March Madness dabei sein wollte, bin ich für mein letztes Jahr zur Boise State University gewechselt. Für eine Teilnahme am NCAA-Turnier hat es wegen zweier vermeidbarer Niederlagen am Ende zwar nicht gereicht, aber die Trainingsbedingungen waren dort schon andere. Ein solch intensives Krafttraining hatte ich zuvor jedenfalls noch nie erlebt. Danach war ich in einer ganz anderen körperlichen Verfassung. Das gleiche Work-out habe ich in diesem Sommer dann auch genutzt, um mich für die BBL fit zu machen und auch bei der A2-Nationalmannschaft auf einem hohen Niveau performen zu können.

Wie sah das Work-out im Detail aus?

Es war eine Kombination aus Sprint-, Ausdauer- und Krafttraining. Eine Regelung am College besagt, dass erst im Oktober mit dem basketballspezifischen Mannschaftstraining begonnen werden kann. Deshalb wurden an der Boise State University in der Zeit davor andere Schwerpunkte gelegt. Entsprechend haben wir dreimal in der Woche Kraft- und einmal in der Woche Konditionstraining für jeweils zwei Stunden gemacht. Schon beim 30-minütigen Aufwärmen ging es richtig zur Sache, mit einer Koordinationsleiter, Hürdensprüngen und Krafttraining mit leichtem Gewicht. Danach haben wir im Kraftraum 45 Minuten lang Übungen verschiedenster Art durchgeführt. Anschließend folgte eine Art Burn-out-Session. Die war so getaktet, dass wir 20 Sekunden immer Vollgas geben mussten und dann zehn Sekunden Pause hatten. Die Übungen waren zum Beispiel Battle Rope Training und Med Ball Slams. Es war ein insgesamt sehr anstrengendes Programm, durch das ich drei Prozent meines Körperfetts verloren habe, gleichzeitig aber stärker und explosiver geworden bin.

Warum wird in Deutschland nicht derart hart am Körper gearbeitet?

Das ist eine gute Frage. Der Nachwuchs sollte damit nicht zu früh, aber eben auch nicht zu spät anfangen. Ab der JBBL dürfte es wegen mir mit geregeltem Krafttraining losgehen. In Deutschland bestehen allerdings längst nicht die gleichen infrastrukturellen Möglichkeiten. Der Kraftraum, der mir zuletzt an der Boise State University zur Verfügung stand, ist etwa so groß wie unsere aktuelle Trainingshalle. Dort gab es einen riesigen Bereich für das Training mit Gewichten. Hinzu kam eine Kunstrasenfläche. Während solche Einrichtungen an den großen US-Unis Standard sind, gibt es Vergleichbares deutschlandweit kaum. Entsprechend einfacher wird es Sportlern in den USA natürlich gemacht, ein ausgiebiges Krafttraining zu absolvieren.

Ein Grund dafür, dass es für dich in der BBL von Anfang an gut geklappt hat?

Es hat mir in jedem Fall geholfen, dass ich in einer guten physischen Verfassung nach Braunschweig gekommen bin. Ich gehe aber auch mit einer besonderen Einstellung in jedes einzelne Spiel.

Inwiefern?

In jedem Spiel werden die Karten neu gemischt. Deshalb ist es mir auch egal, wer vor mir steht. Ob das jetzt ein Danilo Barthel, ein Derrick Williams oder irgendein anderer Top-Spieler ist. Denn im Endeffekt starten wir in einem Spiel an genau demselben Punkt. Deshalb denke ich mir vorher meistens: Mal sehen, wer eher ins Ziel kommt. Gleichzeitig bin ich ungemein dankbar dafür, dass ich als Profibasketballer auf dem Feld stehen kann. Aus diesem Grund ist für mich auch klar, dass ich in jeder Sekunde 110 Prozent gebe.

Collegekarriere, BBL-Durchbruch. Was kommt als Nächstes?

(lacht) Das weiß ich auch noch nicht genau. Die Saison ist jedenfalls noch sehr jung. Für mich wird es deshalb vor allem wichtig sein, auf dem Boden zu bleiben, weiter hart zu arbeiten und auch in Zukunft eine gute Rolle zu spielen. Eines meiner Ziele ist es aber natürlich, eines Tages in einem europäischen Wettbewerb auflaufen zu können. Ob das in drei oder in fünf Jahren passiert, hängt natürlich davon ab, wie ich mich in den kommenden Jahren entwickele.

Vielleicht klappt es damit sogar in Braunschweig. Dennis Schröder hat angekündigt, die Basketball Löwen zu einem Top-5-Team in der BBL machen zu wollen.

Ich hätte nichts dagegen.

Du hast bei den Basketball Löwen einen Einjahresvertrag unterschrieben. Hat Schröder bei deiner Entscheidung, in Braunschweig zu unterschreiben, eine Rolle gespielt?

Ich weiß, dass Dennis Schröder Teil des Klubs ist und auch in die Basketball Löwen investiert. Bei meinen Überlegungen hat er aber keine Rolle gespielt.

Hat er Kontakt zur Mannschaft?

Er ist mit Bazou Kone sehr gut befreundet und war auch bei einigen Vorbereitungsspielen dabei. Es gibt also schon eine gewisse Nähe zum Team.

Könnte Schröder zukünftig eine Rolle für dich spielen, wenn er für die Vertragsverlängerung noch eine gewisse Summe obendrauf legt?

(lacht) Es kommt dabei vor allem drauf an, wie ich spiele. Und wie gesagt: Die Saison ist noch lang.

Was ist dabei für dich noch drin?

Ich gehe einfach in jedes Spiel rein und versuche, mein Bestes zu geben. Als Team wollen wir zudem versuchen, das Momentum aus den letzten Spielen aufrechtzuerhalten und so viele Siege wie möglich zu holen.

Und im Pokal? Im Viertelfinale müsst ihr gegen Frankfurt ran.

Frankfurt ist ein toughes Team, aber wir versuchen dort natürlich zu gucken, was geht. Der Halbfinaleinzug ist jedenfalls nicht unmöglich. Wenn er uns gelingen sollte, wären wir wohl kein kleines, sondern zumindest ein mittleres B. (lacht)


Interview: Alexander Büge


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