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Feb

BIG-Appetizer: Andreas Obst

Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus einer vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat haben wir das Interview mit Andreas Obst aus BIG #82 für Euch.

„Die BBL sollte über eine Änderung der Ausländerregelung nachdenken“

Andreas Obst spielt seit dem Sommer bei Obradoiro CAB in der ACB. Was kann die deutsche Eliteklasse von der spanischen Liga lernen? Wenn einer diese Frage beantworten kann, dann der Nationalspieler

Andreas, das neue Jahr beginnt für viele Leute mit Vorsätzen. Was hast du dir für 2019 vorgenommen?

Zuallererst will ich natürlich gesund bleiben. Denn nur so ist man als Basketballer in der Lage, das Spiel richtig zu genießen. Gleichzeitig will ich mich weiterentwickeln und in der spanischen Liga etablieren. Für mich geht es dabei vor allem darum, noch konstanter zu werden.

Dir einen Platz im WM-Kader zu erkämpfen, gehört nicht zu deinen Vorsätzen?

Doch, das ist schon seit ein paar Jahren mein Wunsch. Jetzt bin ich diesem Vorhaben aber ein ganzes Stück näher gekommen, da die Situation nun eine andere ist als vor einigen Jahren. Ich habe jetzt eine gewisse Länderspielerfahrung und wir haben die Qualifikation für die Weltmeisterschaft bereits geschafft. Umso stärker ist mein Wunsch geworden, für Deutschland bei der WM auflaufen zu können.

Und wie groß ist der Wunsch, mit Edelmetall aus China zurückzukommen?

Der ist noch größer. Aber es sollte tatsächlich auch unser Ziel sein, eine Medaille zu gewinnen. Bei der letzten EM wäre das mit ein bisschen mehr Glück auch schon möglich gewesen. Deshalb sollten wir uns vor den anderen Nationen nicht verstecken. Dass wir auf einem hohen Niveau spielen können, steht außer Frage. Auch die Olympischen Spiele im Jahr 2020 hat die gesamte Mannschaft im Hinterkopf. Um dabei sein zu können, müssen wir bei der WM gut abschneiden.

Würde dein Marktwert dadurch steigen?

Darum mache ich mir keinen Kopf. Denn ich spiele für Deutschland, weil es eine Ehre ist, für die eigene Nation aufzulaufen, und weil es mir einfach Spaß macht, mit diesem Team, unter diesem Trainer zu spielen. Eine WM findet außerdem nur alle vier Jahre statt. Deshalb sollte sie für jeden Spieler etwas Besonderes und nicht dafür da sein, um sich für einen Vertrag zu empfehlen.

Um dabei sein zu können und in China auch viel zu spielen, müsstest du dich gegen die besten Shooting Guards Deutschlands durchsetzen. Wer sind deine Konkurrenten auf der Zwei?

Da gibt es eine Menge. Egal ob es Karsten Tadda ist oder Joshiko Saibou. Zudem können Niels Giffey oder Ismet Akpinar auf der Position zwei auflaufen. Auch Paul Zipser ist dazu natürlich in der Lage. Der Kader ist also mittlerweile sehr breit und ausgeglichen aufgestellt. Entsprechend groß ist die Konkurrenz. Jeder Spieler hat bestimmte Stärken und Schwächen. Am Ende wird Henrik Rödl entscheiden, wer mit zur WM nach China fährt. Trotzdem steht fest: Jeder von uns würde den Platz auch jemand anderen gönnen. Denn wir verstehen uns untereinander wirklich alle sehr gut. Ich würde sogar sagen: Wir sind wie eine große Familie. Das ist auch ein Faktor, warum wir in der letzten Zeit so gute Ergebnisse erzielen konnten.

Allerdings gibt es im WM-Kader nur zwölf Plätze. In welchen Bereichen bist du besser als die Konkurrenz auf deiner Position?

Ich glaube, dass die Spieler von der Leistungsdichte her sehr nah beieinander sind. Gerade auf der Shooting-Guard-Position. Meine Stärken sind, dass ich gut schießen, mir den Wurf selbst kreieren und dem Team in der Defensive die nötige Stabilität geben kann.

Profitierst du auf deinem Weg zur WM von dem Wechsel in die ACB?

Auf jeden Fall.

Mit Johannes Voigtmann, Lucca Staiger und dir gibt es mittlerweile drei Nationalspieler in der ACB. Was macht die spanische Liga für junge Deutsche interessanter als die BBL?

Zunächst hat sie den Ruf, die beste Liga Europas zu sein. Mein Eindruck ist auch, dass dies tatsächlich so ist. Denn die Spieler sind nicht nur von ihrer individuellen Qualität her sehr stark, sie treten auch teamorientierter auf als beispielsweise in der BBL. Vielleicht geht es in der ACB nicht so physisch zur Sache, dafür wird großer Wert auf kleinste Details und Spielintelligenz gelegt. Zudem wird viel mehr mit Fakes und Cuts gearbeitet, was ich aus der Bundesliga in dieser Form nicht gewohnt war. Entsprechend ist das Spiel deutlich mehr auf das gesamte Team ausgelegt, während es in der BBL viele Mannschaften gibt, bei denen zwei bis drei Spieler das Heft in der Hand haben. Auch deswegen ist die ACB noch ausgeglichener als die deutsche Liga, jedes Spiel ist ein Kampf. Von dieser Erfahrung profitiere ich sehr. Sie kann es mir ermöglichen, den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen. Schon jetzt ist meine Entscheidungsfindung deutlich besser geworden. Deshalb bereue ich es nicht, aus Deutschland weggegangen zu sein.

Ist es dennoch schwierig, sich als junger Deutscher im Ausland zu etablieren?

Natürlich ist es etwas anders, dort zu spielen. Ich bin weit weg von meiner Familie und meiner Freundin, die Umgebung unterscheidet sich. Außerdem wird eine andere Sprache gesprochen, was es nicht einfacher macht. Aber der Wechsel war auch eine Herausforderung, die ich gern annehmen wollte. Um möglichst viel zu verstehen, lerne ich in einem Sprachkurs viermal in der Woche Spanisch. Den Geist zu erweitern, ist eine willkommene Abwechslung, als Ausgleich zum Basketball. Außerdem kann ich als Mensch davon nur profitieren.

Deine Dreierquote ist derzeit allerdings schwächer als zuletzt bei den Rockets. Woran liegt das?

Ich bin einfach noch nicht so konstant, allerdings nehme ich auch andere Würfe als zuletzt in der BBL. Denn ich bekomme sie in Spanien öfter, nachdem ich um den Block gekommen bin. Dabei muss ich noch mehr auf meine Fußarbeit achten, um in optimale Wurfposition zu kommen. Eigentlich fühle ich mich dabei auch schon sehr wohl. Aber diesbezüglich kann ich in jedem Fall noch eine Schippe drauflegen. Wenn ich bei diesen Bewegungsabläufen noch ein wenig mehr Routine bekomme, dann werde ich auch wieder besser treffen. Den Kopf zerbreche ich mir darüber ohnehin nicht. Ich weiß, dass ich ein guter Schütze bin.

Ist es in der ACB aufgrund der weniger physischen Spieler dafür leichter, am Korb zu scoren?

Ein Stück weit schon. Allerdings auch deshalb, weil abseits des Balls mehr Bewegung stattfindet. Das macht es für die Hilfen schwerer, pünktlich da zu sein und den letzten Schritt machen zu können, um dem Gegner den Drive wegzunehmen. In der BBL wird auch nicht unbedingt schneller gespielt, weil die Spieler dort physischer sind.

Die BBL will die ACB in zwei Jahren als stärkste Liga Europas ablösen. Wie groß ist der Unterschied noch?

Das Niveau ist noch mal ein Stück höher als in der BBL. Alle Spieler arbeiten sehr professionell und wollen das Spiel bis ins Detail verstehen. Entsprechend tief sind die Mannschaften auch besetzt. In der deutschen Liga steht der Teamgedanke hingegen mehr im Hintergrund, sodass einige Jungs im Kader ein wenig abtauchen. In der ACB werden hingegen alle Spieler eingebunden, weshalb auch jeder von ihnen bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Das hebt das Niveau automatisch.

Ist es für junge Spanier deshalb leichter, sich in ihrer besten nationalen Liga zu etablieren, als für junge Deutsche in der BBL?

Auf jeden Fall. Natürlich weiß ich nicht, wie es sich für alle jungen spanischen Spieler anfühlt. Aber es gibt eben viel mehr junge Spanier, die wirklich die Chance auf Spielzeit bekommen. Auch der Respekt, der jungen Spielern dort entgegengebracht wird, ist ein anderer. Ich fühle mich hier als Basketballspieler jedenfalls mehr akzeptiert und werde nicht als der junge Deutsche angesehen. In der BBL hat mich das immer ein bisschen genervt, dort wurde ich als junger Deutscher abgestempelt. Natürlich muss man sich den Respekt auch erarbeiten, aber das wird jungen Deutschen in der BBL nicht unbedingt leicht gemacht. Wenn ich mir jetzt die Situation in Berlin anschaue, dann sehe ich, dass die Spieler dort Vollgas geben können. Sie bekommen das Vertrauen, dürfen auch Fehler machen. Das macht es für sie leichter, sich zu entwickeln.

Ist das der Punkt, in dem die BBL sich gegenüber der ACB am meisten weiterentwickeln muss, um an das dortige Niveau heranzukommen?

Definitiv. Die deutschen Spieler in der BBL müssen bessere Chancen bekommen. Sie brauchen Zeit und müssen auch Fehler machen dürfen. Jeder Spieler hat Fehler gemacht, daraus gelernt und ist auch dadurch auf ein bestimmtes Niveau gekommen. Doch in der BBL bekommen die Jungs zu selten die Chance dazu. Das ist in Spanien einfach anders. Hier haben die Spieler eine Rolle, sie genießen das Vertrauen und dementsprechend auch den nötigen Respekt. Allerdings haben sie es auch ein Stück weit leichter.

Inwiefern?

Die Ausländerregelung ist eine andere. Die Mannschaften dürfen nur zwei US-Amerikaner in ihren Reihen haben. Der Rest besteht aus Spaniern und vier weiteren Europäern. Meines Erachtens sollten auch die Verantwortlichen in der BBL über eine Änderung der Ausländerregelung nachdenken. Vielleicht ist das zunächst mit einem Rückschritt bei der Qualität verbunden. Aber manchmal ist es sinnvoller, einen Schritt zurück zu machen, um nach einer gewissen Zeit zwei nach vorn gehen zu können.

Kommt eine Rückkehr in die BBL für dich deshalb nicht mehr infrage?

Nach Deutschland zurückzukommen, kann ich mir schon vorstellen. Aber jetzt genieße ich erst mal die Zeit hier in Spanien, wo ich mich beweisen will. Ich glaube, das Spiel in der ACB liegt mir sehr gut. Trotzdem bin ich immer noch dabei, mich an die Liga zu gewöhnen und mehr Konstanz in mein gesamtes Spiel zu bekommen. Aber das macht mir sehr viel Spaß. Ich wollte ohnehin immer in Spanien spielen, das war mein großer Traum. Dass es jetzt so früh geklappt hat, freut mich umso mehr. Allerdings hat sich Obradoiro auch mehr um mich bemüht als jeder andere Verein. Da war ich schon überrascht. Coach Moncho Fernandez hat mir ganz klar gesagt, wie er meine Rolle sieht. Er wusste genau, wie ich spiele, wo meine Stärken sind. Deswegen konnte er mir auch im Detail sagen, wie er mich weiterentwickeln will. Er war extrem gut über mich informiert.

Waren das die interessierten BBL-Teams nicht?

Längst nicht in dieser Form. Gleichzeitig war ich auch von einigen Angeboten der BBL-Teams angetan. Da ich aber ohnehin nach Spanien wollte und Coach Fernandez mich in eine gute Situation bringen konnte, wäre es dumm gewesen, dieses Angebot nicht anzunehmen. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mich hier in Ruhe entwickeln kann. Ich habe einen Dreijahresvertrag unterschrieben und dementsprechend wenig Druck. Den Druck mache ich mir eher selbst. Denn ich will mich so schnell wie möglich weiterentwickeln.

Interview: Alexander Büge


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