30
Apr

BIG-Appetizer: Silvano Poropat


Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus einer vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat haben wir das Interview mit Silvano Poropat aus BIG #84 für Euch.

„Ich bin wieder gesund"

Silvano Poropat ist zurück beim MBC, um den Verein mit seinem Vorgänger als Assistent vor dem Abstieg zu bewahren. Seine letzten Engagements in der easyCredit BBL endeten abrupt. Wer dieses BIG-Gespräch liest, versteht warum

Silvano Poropat, dass Aleksandar Scepanovic vom Headcoach wieder zum Assistenztrainer des MBC wurde, überraschte viele. Auch Sie?

Nein, ich habe mit Martin Geissler im Vorfeld gesprochen. Er hat mir die Situation geschildert und gefragt, ob ich helfen kann. Danach habe ich mit Aleksandar gesprochen, und schließlich sind wir zu dritt zu dieser etwas außergewöhnlichen Lösung gekommen. Aleks hat seinen Platz frei gemacht, damit ich zum MBC zurückkommen kann. Das muss man ihm ganz hoch anrechnen. Jetzt geht es darum, dass wir zusammen möglichst gut funktionieren. Denn Aleks ist aktuell für uns kein klassischer Co-Trainer. Vielmehr fungiert er als eine Art zweiter Headcoach, der sehr viel mit der Mannschaft arbeitet. Er weiß ganz genau, wie der Basketball in Weißenfels funktioniert.

Dass Scepanovic sich freiwillig zurückgezogen hat, ist ungewöhnlich und im Profisport eine absolute Seltenheit.

Trotzdem hat er einen guten Job gemacht. Er ist ein sehr talentierter Trainer. Deswegen finde ich es auch gut, dass der Verein ihm diese Chance gegeben hat, anstatt ihn zu entlassen. Die Lösung, die wir gemeinsam gefunden haben, ist gut. Wir machen das Training, die Spielvorbereitung und auch das Coaching während den Partien zusammen.

Aber Sie haben trotzdem die Hauptverantwortung?

Ja, ich bin derjenige, der vorn steht. Aber ich kannte Aleksandar schon vorher und wusste, dass wir gut zusammenarbeiten können. Deshalb sind wir auch sehr schnell zu dieser Lösung gekommen.

Sie kennen nicht nur Scepanovic, sondern auch den gesamten Verein sehr gut. Sie standen in Weißenfels vier Jahre lang an der Seitenlinie und wurden dort 2013/2014 zum BBL-Trainer des Jahres gewählt. Wie hat sich der Klub seit Ihrem Weggang im Dezember 2015 weiterentwickelt?

Der Verein hat sich ähnlich gut entwickelt wie die gesamte Bundesliga in den vergangenen Jahren. Deswegen spielt der MBC zu Recht in der BBL, auch wenn es in Weißenfels nicht leicht ist, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Im Office sind beispielsweise einige junge Leute dazugekommen. Professionell war es in Weißenfels auch schon, als ich zuletzt dort gearbeitet habe. Doch jetzt gibt es dort zusätzlich frische Energie und neue Ideen.

Sie haben im Sommer 2015 einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, sich aber bereits im Dezember desselben Jahres von der Aufgabe zurückgezogen. Warum?

Ich war mir der Ernsthaftigkeit meiner gesundheitlichen Probleme nicht ganz bewusst. Zwischen 2013 und 2018 ging es mir nicht gut und es wäre an der Zeit gewesen, eine Pause einzulegen. Doch die Gesundheit kam nicht an erster Stelle, was ich später teuer bezahlen musste. Das heißt: Ich konnte meinen Job nicht so machen, wie ich es mir vorgestellt habe. Letztendlich bin ich durch eine Phase gegangen, in der ich große gesundheitliche Probleme, aber eben auch große berufliche Ambitionen hatte. Das war der Hauptauslöser, warum es in Weißenfels und später in Bonn nicht weiterging. Seit Mai 2018 bin ich medizinisch gesehen wieder gesund und fühle mich auch als Mensch wieder gut.

Um welche Art von gesundheitlichen Problemen handelte es sich?

Zwei Tage nach dem Saisonende 2012/2013 habe ich die Diagnose Schilddrüsenkrebs bekommen. Als Folge kamen dann auch weitere Probleme dazu, über die ich nicht weiter im Detail sprechen möchte. Im Mai 2018 stand endlich fest, dass der Krebs besiegt war. Aber jetzt soll der MBC im Vordergrund stehen, in den kommenden Wochen möchte ich mit der Mannschaft möglichst gut abschneiden.

Wie schwer ist das für Sie als Headcoach? Sie haben während der Saison ein Team übernommen, das Sie nicht selbst zusammengestellt haben.

Es ist immer eine Herausforderung, eine Mannschaft während der Saison zu übernehmen. In jeder Situation gibt es Chancen und Risiken, wir werden uns aber voll auf die Chancen fokussieren und das Beste aus der Situation machen. Gleichzeitig möchte ich nochmals betonen, dass Aleks bisher einen guten Job gemacht hat. Er hat die Mannschaft im Sommer übernommen, ein neues Team zusammengestellt und war zusätzlich noch Assistenztrainer der kroatischen Nationalmannschaft bei der U20-EM. Als die Saisonvorbereitung anstand, musste er schließlich verkraften, dass mit Alex Ruoff der wichtigste Spieler verletzungsbedingt nicht zur Verfügung steht. Die Situation war also alles andere als leicht. Für mich gab es dennoch zwei wichtige Motive, warum ich nach Weißenfels zurückkehren wollte.

Und zwar?

Ich wollte meinen Kreis beim MBC schließen. Ich hatte Martin Geissler damals versprochen, dass ich dem Verein immer treu bleiben werde. Ich wollte helfen, wenn es nötig ist. Zudem war es mir wichtig, dass Aleks weiter an Bord bleibt und wir den Job zusammen machen. Unter diesen Voraussetzungen war ich bereit zu helfen.

Was müssen Sie ändern, um sich von den Abstiegsrängen zu entfernen?

Es handelt sich vor allem um zwei Sachen. Zum einen geht es um unsere Verteidigung. Zum anderen müssen wir an unserer Mentalität arbeiten und aggressiver in die Spiele hineingehen. Am Anfang des Spiels sind wir zuletzt immer einem Rückstand hinterhergelaufen. Danach haben wir unsere Sachen zwar trotzdem noch gut gemacht. Doch solche Aufholjagden machen eine Mannschaft auf Dauer müde, weshalb es für den Sieg am Ende oft nicht mehr gereicht hat. Im Training präsentiert sich die Mannschaft allerdings gut, auch die Arbeitsatmosphäre stimmt. Wir müssen es nun schaffen, diese Mentalität auch im Spiel von Anfang an zu zeigen. Was wir weniger beeinflussen können, ist unsere Gesundheit. Unmittelbar nachdem ich in Weißenfels angekommen war, stand fest, dass Trevor Releford sechs bis acht Wochen ausfällt. Er ist mit 14 Punkten und sieben Assists pro Partie aber eben einer unserer wichtigsten Spieler und entsprechend schwer zu ersetzen. Um unseren Plan bestmöglich umzusetzen, braucht es also auch ein bisschen Glück.

Der MBC ist das schwächste Dreierteam der Liga. Hat Ihr Team seine Würfe bisher zu schlecht herausgespielt?

Jein. Wir können die Würfe schon ein bisschen besser herausspielen. Allerdings liegt das Hauptaugenmerk unserer Mannschaft nicht auf dem Dreier. Stattdessen haben wir viele Spieler, die gut zum Korb gehen können. Deswegen muss es uns gelingen, am Brett höherprozentig abzuschließen. Auch hier geht es wieder darum, ein Stück weit aggressiver zu agieren. Insgesamt bin ich mit unserer Offensive aber ganz zufrieden, auch wenn wir am Anfang des Spiels mehr darauf achten müssen, dass wir uns keine Turnover leisten. Unsere größte Baustelle ist die Defense.

Schafft Ihr Team den Klassenerhalt?

Wir tun aktuell alles dafür und werden das auch bis zum Saisonende machen. Deshalb bin ich zuversichtlich.

Bleiben Sie dem MBC in der nächsten Saison erhalten, wenn es für den BBL-Verbleib reicht?

Ich bin bis zum 12. Mai und wahrscheinlich ein paar Tage darüber hinaus in Weißenfels. Danach werde ich zurück nach Rotterdam gehen, wo ich mittlerweile meinen Lebensmittelpunkt habe. Fest steht außerdem: Bevor ich im Sommer in den Urlaub fahre, werde ich die weibliche U18-Nationalmannschaft Hollands für zwei Monate coachen. Was danach passiert? Darüber bin ich mir in der Vergangenheit schon klar geworden. Denn ich habe mich in Holland selbstständig gemacht und werde mich zukünftig in beratender Funktion intensiv um andere Coaches, Spieler und Vereine kümmern. Zudem will ich Coaching-Clinics und Einzeltrainings anbieten, da ich als Trainer mit viel Erfahrung dem Basketball in Deutschland etwas zurückgeben möchte. Auf diese Weise ist mir das besser möglich, als wenn ich nur zwölf Spieler einer Profimannschaft während einer Saison trainiere. Für mich war es damals wichtig, dass mir Leute zur Seite standen und ich Mentoren hatte, die mich gefördert haben.

Sie schließen ein weiteres Engagement bei einer Profimannschaft also aus?

Nein. Ich kann mir schon noch vorstellen, an einem guten und langfristigen Projekt als Trainer teilzuhaben. Wenn zum Beispiel Martin Geissler oder jemand anderes zu mir sagt: Komm, Silvano, wir bauen langfristig etwas auf, dann hätte ich daran Spaß. Ich kann mir auch vorstellen, irgendwo als Sportdirektor zu arbeiten. Kurzfristige Einstellungen mit geringer Perspektive kommen für mich hingegen nicht mehr infrage. Basketball bestimmt mein Leben seit 26 Jahren, und ich werde meinem Sport mit Sicherheit auch in Zukunft erhalten bleiben.


Interview: Alexander Büge



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