19
Feb

BIG-Appetizer: Maodo Lo

Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus einer vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat haben wir das Interview mit Maodo Lo aus BIG #92 für euch.

„Ich möchte noch smarter werden“

Maodo Lo ist in seinem vierten Jahr in Europa Starter beim Deutschen Meister FC BAYERN MÜNCHEN.Im Interview spricht der Nationalspieler über die verkorkste WM, seinen schwierigen Start in Bamberg und die Entwicklung zu einem europäischen Top-Point-Guard

Maodo, spielst du derzeit den besten Basketball deiner Karriere?

Das ist schwer zu beurteilen. Auf jeden Fall spiele ich die meisten Minuten und habe die größte Rolle, seitdem ich Profi bin. Jetzt habe ich eindeutig mehr Verantwortung als bislang. Guten Basketball, finde ich, habe ich in den vergangenen Jahren auch schon gespielt – allerdings in kleineren Rollen.

Dennoch scheinst du extrem gut in Form zu sein. Dabei war der Sommer für eine gezielte Vorbereitung wegen der Weltmeisterschaft extrem kurz.

Es gibt Momente, in denen ich sehr müde bin. Vergangenes Jahr hatte ich aufgrund einer Fersenverletzung gar keine Vorbereitung. Weder individuell noch im Klub beim FC Bayern. Diese Saison konnte ich zumindest die Vorbereitung mit der Nationalmannschaft machen und zusätzlich den letzten Abschnitt in München. Obwohl der Sommer gut mit Basketball gefüllt war, merke ich diese Vorbereitung in meinem Spiel.

Wie hast du die WM verarbeitet?

Ganz okay, würde ich sagen. Leider konnten wir die Euphorie, die in Basketball-Deutschland zu spüren war, nicht richtig aufgreifen. Das ist sehr schade. Nichtsdestotrotz geht es weiter, und wir haben mit dem vorolympischen Qualifikationsturnier noch die Möglichkeit, uns doch noch für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Klar liegt der Fokus derzeit auf der laufenden Saison, aber den nächsten Sommer hat man schon im Hinterkopf. Der Traum von Olympia lebt.

Kannst du dir das Abschneiden bei der WM erklären?

Wir haben einfach schlecht gespielt und es nicht geschafft, unsere Stärken zu 100 Prozent aufs Feld zu bringen. Die Erwartungen waren groß, als es dann aber nicht so lief, waren wir schnell frustriert. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen. Vielleicht braucht es auch so eine Erfahrung, um als Team den nächsten Schritt gehen zu können.

Dennoch hätten sich viele Kritiker mehr Struktur im Spiel gewünscht. Eine Komponente, die du vielleicht hättest einbringen können.

Ich weiß, was mich bei der Nationalmannschaft erwartet. Ich kenne meine Rolle, denn auf meiner Position spielt Dennis Schröder. Dennis ist der beste Point Guard in Europa, und da ist es eben meine Rolle, von der Bank zu kommen und das Spiel zu organisieren. Kritiker, die sagen, Dennis solle weniger spielen, kann ich nicht ganz verstehen. Er ist ein Ausnahmespieler, der Qualitäten mitbringt wie kein anderer Spieler auf seiner Position in Europa. Es geht vielmehr darum, die Stärken jedes Spielers in der Mannschaft komplett auszunutzen. Da lag meiner Meinung nach unser Problem, und da müssen wir uns klar verbessern.

Im Gegensatz zur Nationalmannschaft bist du beim FC Bayern nicht in der Back-up-Rolle, sondern unangefochtener Starter auf der Eins. Wurde vor der Saison mit dir darüber gesprochen?

Konkret wurde das nicht thematisiert. Als Spieler wünscht man sich immer, eine größere Rolle und mehr Verantwortung zu bekommen. Ich glaube, dass es in meinem zweiten Jahr bei Bayern intern schon erwartet wurde, dass meine Rolle und damit auch die Verantwortung wächst. Das ist auch der Anspruch, den ich an mich selbst habe.

Es macht den Eindruck, als würdest du an der größeren Rolle wachsen.

Auf jeden Fall. Ich habe vier Jahre am College gespielt, dort viele Minuten bekommen. Dann bin ich direkt zu einem EuroLeague-Team nach Bamberg gewechselt, wo meine Rolle naturgemäß zunächst kleiner war. An das Spiel in Europa musste ich mich erst anpassen. Jetzt bin ich in meiner vierten Saison in der EuroLeague und versuche stetig, Schritte nach vorn zu machen. Dazu gehört es, auf dem Parkett mehr Verantwortung zu übernehmen, was in dieser Saison gerade passiert.

Deine Wurfquoten sind in dieser Saison bislang exzellent. Du triffst etwa 50 Prozent deiner Dreier.

Ich war schon immer ein guter Distanzschütze, habe regelmäßig um die 40 Prozent von außen getroffen. Vergangene Saison hatte ich ein paar Probleme, die auch mit meiner Verletzung zu tun hatten. Ich hatte Schwierigkeiten, meinen Rhythmus zu finden, und musste mich außerdem in einer neuen Mannschaft zurechtfinden. Aktuell fühle ich mich sehr wohl und habe beim Wurf ein gutes Gefühl. Ich hoffe, dass die Quote so gut bleibt, denn den Dreier sehe ich wirklich als eine meiner größten Stärken an.

Es wirkt so, als wärst du während des vergangenen Jahres noch physischer geworden. Stimmt das oder täuscht dieser Eindruck?

Während dieses Sommers wollte ich mich etwas mehr auf meinen Körper fokussieren. So gut es geht zumindest. Als EuroLeague-Spieler ist das nämlich fast nicht möglich. Die Saison mit circa 80 Spielen geht im Extremfall bis Ende Juni, dann spielt man mit der Nationalmannschaft und steigt direkt wieder in die Vorbereitung ein. Es bleiben vielleicht drei Wochen Zeit, die man braucht, um sich von den Strapazen zu regenerieren. In diesem Sommer habe ich versucht, mich gesund zu ernähren und an meiner Physis zu arbeiten. Aber nur so gut es eben ging. Das muss man wirklich mal ansprechen: Ich würde mir mal einen Sommer wünschen, in dem ich mich verbessern kann – in dem Zeit ist, sein Spiel oder seinen Körper richtig zu verändern. Das ist mit der aktuellen Situation im europäischen Basketball nicht möglich. Zumindest nicht für Spieler, die im Verein um Titel und anschließend mit der Nationalmannschaft spielen.

Hast du Verbesserungsvorschläge?

Schwierig. Die EuroLeague wird immer größer, aber ich glaube, dass sich da in den kommenden Jahren etwas verändern wird. Die nationalen Ligen und auch die EuroLeague werden sich anpassen müssen, weil das derzeitige System für uns Spieler nicht gerade optimal ist. Die Belastung ist brutal hoch.

Du spielst in dieser frühen Phase der Saison regelmäßig über 30 Minuten.

Mal geht das besser, mal weniger gut. Spiele, die ich besonders merke, sind die Freitag-Sonntag-Partien. Vor allem sonntags aufzulaufen, nachdem man am Freitagabend vielleicht sogar noch auswärts gespielt hat, ist richtig tough. Da spürt man die Müdigkeit in den Knochen. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich da durchzubeißen. Tag für Tag, Spiel für Spiel. Anders geht es nicht, wobei ich schon manchmal denke: Krass, jetzt kommen wieder vier Spiele binnen neun Tagen.

Trotz dieser Belastungen bringst du konstant Top-Leistungen. Marko Pesic sagte kürzlich: „Maodo weiß noch gar nicht, wie gut er wirklich ist.“ Wie gut bist du denn wirklich?

Ich bin hungrig und habe das Gefühl, dass ich noch viel lernen kann. Vor allem möchte ich smarter werden, das Pick’n’Roll mit besseren Reads laufen. In solchen Situationen konstant die richtige Entscheidung treffen. Da sehe ich wirklich noch Potenzial – besonders weil wir am College praktisch kein Pick’n’Roll gespielt haben. In Bamberg musste ich dann auf einmal Pick’n’Roll spielen, im System von Andrea Trinchieri. Da habe ich sehr viel gelernt, wobei es anfangs schon schwierig war. Jetzt bin ich in meiner vierten Saison in Europa und profitiere von den Dingen, die ich damals gelernt habe.

Deine Spielübersicht wird augenscheinlich immer besser. Lange Zeit wurde diskutiert, ob du nicht eher ein Shooting Guard als ein Point Guard wärst. Wie siehst du das?

Dass ich lange als Shooting Guard gesehen wurde, lag wohl an meinem Wurf. Die Leute sahen mich als Werfer und daher auf der Zwei. Wie bereits erklärt, musste ich mich auf der Eins in Europa erst zurechtfinden. Am College haben wir die Princeton-Offense gespielt. Ein System, das enorm auf Ballbewegung und Cuts, aber kaum auf Pick’n’Roll basiert. Jetzt, wo ich das europäische System kenne, macht es mir richtig Spaß, den Ball in der Hand zu haben, das Spiel zu ordnen und meine Mitspieler in Szene zu setzen. Mit einem Fingerschnippen wirst du nicht zu einem Point Guard bei einem EuroLeague-Team.

Als Point Guard ist man meist der Dirigent, ein Leader auf dem Feld. Da gibt es verschiedene Typen, lautstarke wie Sasa Obradovic zum Beispiel. Marko Pesic meinte, dass du dich diesbezüglich noch weiterentwickeln könntest. Kannst du der Typ sein, der seine Teamkollegen auch mal anschreit?

Gut möglich, dass ich mich diesbezüglich noch weiterentwickeln muss. Es liegt einfach in meinem Naturell, etwas ruhiger zu sein. Ich überlege auf dem Feld sehr viel und versuche, vieles mit meinem Kopf zu lösen. Vielleicht muss ich auch mal lauter werden. Aber grundsätzlich glaube ich, dass man auch als ruhiger Typ ein Anführer sein kann.

Du hast mittlerweile mit einigen großen Aufbauspielern zusammengespielt. Allen voran natürlich mit Nikos Zisis in Bamberg, aber auch mit Stefan Jovic bei Bayern. Was zeichnet diese Spieler aus?

Nikos Zisis war für mich ein besonderer Spieler. Am College habe ich ein paar Dreier geschmissen und hin und wieder eine Isolation gespielt. Als ich nach Bamberg kam, hat Nikos mich an die Hand genommen und mir gezeigt, wie man organisierten europäischen Basketball spielt. Von Trinchieri wurde ich damals sehr viel kritisiert, ich musste so viel lernen, habe gegrübelt. Nikos hat mich in diesen Situationen oft zur Seite genommen und mir Vertrauen gegeben. Er wusste, dass eine Umstellung, wie ich sie hatte, Zeit brauchen würde. Da war aber auch ein Fabien Causeur. Von ihm konnte ich im mentalen Bereich so viel lernen. Er kann sich so krass fokussieren. In jedem Spiel, bei dem es um etwas geht, performt er. Egal ob Playoffs, Finale, Prestigeduelle – Fabien liefert genau dann immer ab. Sein Selbstbewusstsein ist beeindruckend.

Und Jovic?

Stefan hat seinen eigenen Stil, er ist eigen in der Art, wie er spielt. Er spielt sein Tempo, das hat er perfektioniert. Mir da etwas abzuschauen, ist schwieriger, weil sich unsere Qualitäten doch sehr unterscheiden. Die Pässe, die er oft gespielt hat, waren natürlich trotzdem der Wahnsinn.

Deine Entwicklung ging zuletzt stets bergauf. Jetzt bist du mit 26 Jahren im besten Alter, hast viel EuroLeague-Erfahrung. Wird die NBA für dich noch mal ein Thema?

Die NBA ist der Traum eines jeden Spielers. Nach dem College habe ich an der Summer League teilgenommen. Daran erinnere ich mich gern zurück. Drüben zu spielen hat mir immer großen Spaß gemacht: Das Feld ist größer, man hat mehr Platz, um zu kreieren. Der Stil gefällt mir. Konkreten Kontakt gab es in letzter Zeit nicht, aber wenn man in der EuroLeague spielt, ist man auf einer gewissen Plattform, die auch in der NBA gesehen wird. Wenn sich mal irgendwann etwas mit der NBA ergäbe, würde ich wohl Ja sagen.

Dein Vertrag in München läuft am Ende dieser Saison aus. Wie sieht deine mittelfristige Karriereplanung aus?

Das kann ich momentan noch gar nicht sagen. Es ist noch so früh in der Saison, außerdem fühle ich mich immer noch neu im Profibasketball. Ich spiele ja erst meine vierte Saison. Ich weiß noch nicht, ob ich mal die Lust verspüre, ins Ausland zu gehen, oder ob ich lieber lange in Deutschland bleibe. Momentan fühle ich mich in München sehr wohl. Bayern ist eine Top-Option in Europa. Der Klub wächst stetig und entwickelt sich richtig gut.

Aktuell dürfte der Fokus auf der Meisterschaft und der EuroLeague liegen. Wie siehst du die Chancen?

Genau, die Titelverteidigung ist unser großes Ziel. Leider sind wir im Pokal bereits ausgeschieden. In der EuroLeague haben wir, denke ich, bislang solide gespielt. Der Wettbewerb dort ist extrem, es gibt so viele gute Mannschaften, die unbedingt in die Playoffs wollen. Ob es für uns am Ende reicht? Möglich, aber es wird außerordentlich schwierig.


Interview: Robert Heusel


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