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18
Feb

TOP-FOUR-Vorschau: Braunschweig vs. Crailsheim

Halbfinale: Braunschweig vs. Crailsheim, 19.02.2022; 16:00 Uhr. Mercedes-Benz Arena.

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An diesem Wochenende (18./19.02.2022) steigt in der Berliner Mercedes-Benz Arena das TOP FOUR des MagentaSport BBL Pokals. Mit von der Partie: der Hausherr und Favorit, ALBA BERLIN, sowie die Herausforderer aus Chemnitz, Braunschweig und Crailsheim. Die BIG-Vorschau zum TOP FOUR, Teil I: Braunschweig vs. Crailsheim. Beide Texte erschienen im Rahmen von #BIG114.

Braunschweig: Dreimal Silber = einmal Gold | Rupert Fabig. 

Jesus Ramirez, Headcoach der Basketball Löwen Braunschweig, hat es satt, immer Zweiter zu werden, und will im Überfalltempo zum Titel.

Papier ist geduldig. Daher juckt es die Basketball Löwen Braunschweig herzlich wenig, auf dem Papier der größte Außenseiter beim TOP FOUR zu sein. Warten können sie an der Oker ohnehin. Neun Jahre ist es schon wieder her, dass sie am Final-Wochenende dabei waren. Dass sie dabei längst nicht als Papiertiger an den Start gehen, belegt ein Blick in die Pokal-Historie.

Wer die Löwen bezwingt, kann den Champagner kaltstellen. 2011 verlor Braunschweig im Finale mit 66:69 nur hauchdünn gegen Brose Bamberg, das im Anschluss das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft perfekt machte. 1991 schaffte die damalige SG Braunschweig als Zweitligist sensationell den Einzug ins Endspiel und unterlag dort Rekordmeister Bayer Leverkusen – der kurz darauf ebenfalls das Double feierte. Nur den Telekom Baskets Bonn gelang dieses Kunststück 2012 nicht, aber die gewannen auch nur im Halbfinale gegen die Niedersachsen.

Das Pokal-Parkett ist Habitat der Löwen, die sich in der Qualifikation dominant durchsetzten. Zunächst wurde der BG Göttingen im Achtelfinale mit 97:77 eine ihrer wenigen herben Klatschen verpasst, im Viertelfinale dann Frankfurt mit 86:65 abgefertigt. Nun tritt Braunschweig allerdings erstmals nicht in der heimischen Volkswagen-Arena an. Die besten Chancen haben dabei weder die Löwen noch die Merlins, sondern die Fans. Das erste Aufeinandertreffen dieser beiden Teams in der easyCredit BBL könnte den Titel „Unterhaltsamstes Spiel der Saison“ gewinnen. Ende Oktober setzten sich die Zauberer daheim mit 92:90 nach Verlängerung durch. Merlins-Sportdirektor Ingo Enskat hat den spektakulären Schlagabtausch noch gut in Erinnerung. „Die Partie stand Spitz auf Knopf und hätte in beiden Richtungen ausgehen können. Braunschweig ist definitiv keine Mannschaft, die überperformt, sondern vor allem auf den deutschen Positionen sehr gut besetzt ist. Das wird ein 50:50-Spiel.“ Die Statistiken unterstützen Enskats Aussage. Das nur minimal negative Net-Rating Braunschweigs suggeriert, dass die Löwen zu Recht im Tabellen-Mittelfeld angesiedelt sind und mit dem Abstiegskampf, den viele Experten prognostiziert hatten, wenig zu tun haben dürften. Gingen im ersten Saisondrittel viele enge Begegnungen zumeist verloren, gewinnen die Löwen diese inzwischen regelmäßig, haben laut Trainer Jesus Ramirez vor allem offensiv einen Schritt nach vorn gemacht. Die Handschrift des Spaniers ist unverkennbar. Bitter, dass ausgerechnet jetzt Robin Amaize mit einer Knieverletzung langfristig ausfällt.

Aber nicht nur halsbrecherisch schnell, sondern auch mannschaftsdienlich wird agiert. Rund 70 Prozent der Feldkörbe geht ein Assist voraus, ein Spitzenwert. Der nächste Schritt: die Defensive. „Taktisch ist das okay, aber wir sind nicht clever genug, was Kontakt betrifft, foulen zu oft. Das liegt an Details wie der falschen Fußpositionierung“, analysiert Ramirez, dessen Kader nur auf den ersten Blickriskant zusammengestellt scheint. „Welche Gambles?“, fragt der 42-Jährige. Denn tatsächlich sind Leistungsträger wie Krämer, Amaize, Klassen und Martin Peterka bekannte Größen, allenfalls nicht in derart prominenter Rolle. Point Guard Tookie Brown kennt der Coach aus der gemeinsamen Station in Polen bestens, und auch Spielgestalter Ondrej Sehnal, immerhin tschechischer Olympia-Teilnehmer, hat sich im ersten Jahr fernab der Heimat mittlerweile an Speed und Style der BBL angepasst.

Nicht angepasst hat sich Ramirez hingegen daran, regelmäßig ins Finale einzuziehen – als Co-Trainer von ratiopharm ulm gelang dies dreimal: um jedes Mal zu verlieren. „Ich würde alle Silbermedaillen gegen einen Titel mit Braunschweig eintauschen.“

Crailsheim: Der 25-Prozent-Favorit | Florian von Stackelberg

Die HAKRO Merlins Crailsheim bleiben ihrem Underdog-Image treu, dürfen sich aber dennoch berechtigte Hoffnungen auf den Final-Einzug machen.  

TJ Shorts dribbelt den Ball, die Spielzeit beträgt weniger als 30 Sekunden. Die HAKRO Merlins liegen einen Punkt zurück. Jede Aktion kann über den Ausgang der Partie entscheiden. Shorts zieht über die starke linke Hand und legt ihn über zwei Gegenspieler hoch ans Brett. Der Ball fällt rein, Crailsheim gewinnt am 6. Spieltag gegen die Basketball Löwen Braunschweig am Ende mit 92:90.

Es war eines der spektakulärsten Spiele der noch jungen Saison, ein offensiver Schlagabtausch mit 13 Führungswechseln – der letzte 26,7 Sekunden vor Schluss. Damals sagte Robin Amaize, mit19 Punkten Top-Scorer der Löwen: „Es ist bitter, uns hat ein Angriff gefehlt.“ Es dürfte ein Vorgeschmack auf das anstehende Pokal-Halbfinale zwischen Crailsheim und Braunschweig gewesen sein.

Sportlich haben die HAKRO Merlins in den vergangenen Jahren stark aufgeholt. Sie sind nach den beiden Playoff-Teilnahmen zuletzt keine Mannschaft mehr, die von der Konkurrenz unterschätzt wird. Auch wenn die TOP-FOUR-Teilnahme der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte ist: Objektiv betrachtet sind sie in diesem Halbfinale kein Underdog. Dieses Image möchten sie trotzdem nicht ablegen: „Wir sind und wir bleiben ein kleiner Klub“, sagt Ingo Enskat, Sportlicher Leiter in Crailsheim. „Einen nationalen Titelgewinn hätte uns absolut niemand jemals zugetraut.“

Der Blick auf die jüngere Pokal-Historie zeigt, dass die Crailsheimer Tiefstapelei zumindest aus diesem Blickwinkel gerechtfertigt ist. Vergangene Spielzeit war es das Pokal-Aus in der Vorrunde, 19/20 beendeten die EWE Baskets Oldenburg die Crailsheimer Träume im Achtelfinale und 18/19 durften die HAKRO Merlins als Aufsteiger gar nicht erst teilnehmen.

„In den Spielen, die wir verloren haben, hatten wir es verdient. Alle anderen haben wir gewonnen“, sagt Martin Romig, der Geschäftsführer der Crailsheimer, allgemeinüber die Saison. Aber im Speziellen gilt die zweite Aussage auch für den Pokal: Mitte November dominierten die Hohenloher gegen Würzburg drei Viertel, bis es im Schlussabschnitt noch einmaleng wurde, das Weiterkommen gelang schließlich mit 82:79.Und das nächste Los war ein Hammer: Der Derby-Konkurrent und letztjährige Hauptrunden-Erste MHP RIESEN Ludwigsburg wartete. Dieses Viertelfinale war ein grauenvolles Basketballspiel, mit vielen Fehlern und schlechten Trefferquoten. Aber es war spannend: 13,1 Sekunden vor Schluss der Overtime traf Jaren Lewis vorentscheidend. Der erste Halbfinal-Einzug war perfekt.

„Wir brauchen eine gute Tagesform, und TJ Shorts muss zu seinem Spiel finden“, sagt Ingo Enskat über die Erfolgsformel fürs Halbfinale. Gerade auf Shorts, mit 1,1 Punkten pro Pick’n’Roll der beste BBL-Spieler in dieser Kategorie, wird ein großer Fokus liegen. Die gute Pick’n’Roll-Defense der Braunschweiger gegen den Ballführenden könnte ein Gegengift sein– allerdings fehlt ihr bester Spieler in dieser Kategorie verletzungsbedingt: Robin Amaize. Und auch die Braunschweiger Halfcourt-Defense ist ausbaufähig, was „insbesondere gegen offensivpotente Teams wie Crailsheim problematisch werden könnte“, wie Braunschweigs Coach Jesus Ramirez sagt.

Enskat sieht die Chance auf den Titelgewinn bei allen Teams bei 25Prozent – auch bei Crailsheim. Ober im Falle eines Pokalsieges seines Klubs nackt von Berlin nach Crailsheim läuft? „Wenn es im Sommerwäre: auf jeden Fall. Aber im Frühjahr ist es noch zu kalt dafür“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Der Matchup-Führer

Trifft Braunschweig die direkten Wurfversuche?

Die Catch’n’Shoot-Bilanz (ohne vorheriges Dribbling) der Basketball Löwen ist mit 38 Prozent Dreiern herausragend, aber die HAKRO Merlins verstehen diese Würfe mit nur 29 Prozent exzellent zu verteidigen.

Lebt Braunschweig wieder in der Zone?

30 Punkte bei 65 Prozent Trefferquote erzielt Braunschweig pro Spiel in Ringnähe, wo Crailsheim die meisten Zähler der Liga erlaubt. Eindeutiger Vorteil für die Niedersachsen.

Wirbelt Crailsheim die gegnerische Verteidigung durcheinander?

Mit 108 Punkten auf 100 Pick’n’Rolls stellen TJ Shorts &Co. die beste BBL-Offensive. Braunschweig kann im Pick’n’Roll hingegen nur durchschnittliche Defensivwerte aufweisen, eindeutiger Vorteil für die Hohenloher.

Treffen die Merlins ihre Würfe?

Crailsheim nimmt extrem viele Sprungwürfe und erzielt 112 Punkte pro 100 Versuche, auch das ist ein Top-Wert. Braunschweig verteidigt die Jumper ganz ordentlich, kleiner Vorteil Crailsheim.




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