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23
Feb

Alle Augen nach Tel Aviv

DBB-Doppelpack gegen Israel: Nach dem Hinspiel am Freitag (@ Tel Aviv, Tip-Off 13.30 Uhr) und dem Rückspiel am Montag (@ Heidelberg, Tip-Off 19.30 Uhr) - beides live und kostenlos bei MagentaSport - werden alle das Team von Israels Nationaltrainer Guy Goodes kennen. Wir haben David Pick gebeten, uns sein Team jetzt schon vorzustellen. Der Israeli, Europa-Experte und BIG-Kolumnist hat Wort gehalten und kein Detail ausgelassen.

von David Pick

Ihr werdet es nicht glauben: Trotz eines katastrophalen Saisonstarts, der zu seiner Entlassung als Cheftrainer von Maccabi Rishon LeZion führte, und trotz der demütigenden 20-Punkte-Niederlage im Pokal-Halbfinale ist Guy Goodes als Chef der israelischen Nationalmannschaft nach den Siegen gegen Polen und Estland noch ungeschlagen. Israel trifft an diesem Wochenende also als Erster der WM-Quali-Gruppe D auf Deutschland. Noch ist unklar, wie die Aufstellung seiner Mannschaft aussehen wird, da die EuroLeague-Spiele von ALBA BERLIN und Maccabi Tel Aviv mit Goodes' Entschlossenheit kollidieren, seine Stars in beiden Wettbewerben einzusetzen. Derzeit wird aus dem israelischen Lager gemunkelt, dass Maccabi Vertreter für das erste und zweite Spiel entsenden wird, während Berlin sein israelisches Duo für das zweite Spiel in Deutschland freistellen wird.

Die Teilnahme von Jake Cohen an beiden Spielen dürfte nicht überraschen, da er in der EuroLeague keine Einsatzminuten erhält. Maccabi wird für das erste Spiel auf den einheimischen Point Guard Yiftach Ziv verzichten, ihn aber für die Reise der Gelb-Blauen nach Baskonia in der darauffolgenden Woche aufbieten. Die Macccabi-Scorer Roman Sorkin (der während der ersten beiden Spiele ordentlich Minuten gesehen hat) und Oz Blayzer stehen nicht zur Verfügung und wurden folglich auch nicht zum Nationalmannschaftscamp eingeladen.  

Yiftach Ziv ist ein starker und athletischer Guard, der sein Team (Gilboa-Galil) in der letzten Saison ins Finale der Winner League gegen Maccabi Tel Aviv geführt hat. Er hat mittlerweile ebenda einen Dreijahresvertrag unterschrieben, ist aber weder in der israelischen Nationalmannschaft noch bei Maccabi eine feste Größe. In der Nationalmannschaft wird Ziv voraussichtlich als Back-Up für die EuroCup-Guards Gal Mekel (MoraBank Andorra) und Yam Madar (Partizan Belgrad) auf der Bank sitzen. ALBA-Guard Tamir Blatt war unter dem früheren Nationaltrainer Oded Katash der wichtigste Spieler auf dem Parkett, aber es bleibt abzuwarten, wie er sich neben Mekel und Madar, die als Lieblinge von Goodes gelten, schlagen wird. Laut dem israelischen PR-Direktor Hagay Segal wird erwartet, dass Berlin Blatt und Yovel Zoosman für das zweite Aufeinandertreffen der beiden Teams in Deutschland nächste Woche freigibt.

Goodes-Liebling: Gal Mekel 

Blatt und Mekel sind in ihrem Spielstil einerseits ähnlich und andererseits gegensätzlich. Während beide Guards über großartige Passfähigkeiten und eine extrem gute Court Vision verfügen, neigen beide dazu, den Ball für den Geschmack ihrer Teamkollegen etwas zu lang zu halten. Blatt trifft seine Dreier bis weit hinter dem Bogen und zeigt mehr Selbstvertrauen bei seinen Würfen als Mekel, dessen Art zu Werfen unkonventionell ist. Dennoch sicherte der Scorer aus Andorra den israelischen Auswärtssieg gegen Estland (69:79) mit einem entscheidenden 3-Punkte-Wurf in der Schlussphase. Während Blatt gerade seine ersten Schritte im Ausland macht, ist Mekel als einer der größten israelischen Spieler aller Zeiten international bekannt. Er spielte für mehrere Teams in der NBA, der EuroLeague, der VTB League und der spanischen ACB. Mekel ist größer, stärker und gilt als viel besserer Verteidiger als Blatt. Mekel litt jedoch in letzter Zeit unter einigen Verletzungen, die ihn zurückhielten, so dass es interessant zu sehen sein wird, wie Goodes die Minuten zwischen seinen Spielern aufteilen wird.

Israels aufstrebender Star ist ebenfalls ein Guard, aber eher ein Scorer als ein passorientierter Spieler. Der 2020 von den Celtics gedraftete Yam Madar spielt als „Geheimtipp“ in Serbien für das EuroCup-Powerhouse Partizan Belgrad. Madar hat von allen Guards im Kader das größte Potenzial und spielt so souverän und geschickt, dass es unmöglich ist, seinen nächsten Schritt vorherzusagen. Madar strotzt nur so vor Selbstvertrauen und es scheint oft, als würde er auf dem Basketballplatz tanzen. Er ist wohl das größte Wunderkind, das Israel seit Omri Casspi und Deni Avdija hat. Madar hat das volle Paket - er kann schießen, dribbeln, attackieren, kreativ sein, Pick-and-Roll spielen und hat erstaunliche Instinkte. Er ist nicht der beste Verteidiger und dafür bekannt, dass er sich von seinem Gegenspieler schlagen lässt, um dann dank seiner großen Spannweite den Ball von hinten herauszuspielen und sich mit einem einfachen Korbleger zu rächen. Madar hat seine Hände in jedem Passweg – auf ihn solltet ihr ganz besonders achten.

In Israel könnten mehrere Spieler ihr Debüt in der Nationalmannschaft geben, doch die größte Attraktion und Verstärkung für den Kader dürfte der Oldenburger Max Heidegger sein. Der aus L.A. stammende Guard ist einer der besten Scorer der BBL, aber ähnlich wie in der letzten Saison in der Winner League hat sein Team Probleme, Siege zu holen und steht am Tabellenende. Heidegger nimmt reihenweise Dreier, trifft aber mit lausiger Trefferquote (18 % Dreier in der BCL und 25 % Dreier im Pokal, 35 % Dreier in der BBL), ist zudem klein und gilt als schlechter Verteidiger.

John DiBartolomeo ging den Heidegger-Weg

In den letzten Monaten gab einige Diskussionen zwischen dem israelischen und österreichischen Verband. Es ging um die Einbürgerung Heideggers. Er besitzt zwei Pässe, den seiner israelischen Mutter und den seines österreichischen Vaters. Heidegger war hin- und hergerissen zwischen der endgültigen Entscheidung für das eine und das andere Land. Er entschied sich schließlich für Israel und wird sein Debüt für die Blau-Weißen gegen Deutschland geben, eine Mannschaft, die er ziemlich gut kennt und bei der er seinen Trainern beim Scouting geholfen haben dürfte. „Es war eine schwere Entscheidung und eine schwierige Situation", sagte er dem israelischen Journalisten Yaakov Meir. „Es war wie die Wahl zwischen Mutter oder Vater. Mein Vater vertrat Österreich als Profi, aber ich wuchs als Jude auf und verbrachte mehr Zeit in Israel. Es war ein kompliziertes Dilemma. Letztendlich habe ich mich für Israel entschieden, weil ich das Gefühl hatte, dass es die bessere Chance für meine Karriere ist.“

Heidegger wird in die Fußstapfen von John DiBartolomeo als Israels eingebürgerter Guard treten. DiBartolomeo war im letzten Jahr beim zweiten Spiel in Estland sehr ordentlich, aber der israelische Verband ist auf der Suche nach jungen Talenten und neuem Blut. Heidegger kennt seinen Guard-Kollegen Yam Madar aus der NBA-Summerleague, als der Oldenburger für die Atlanta Hawks auflief.

Goodes' Spielstil besteht in der Regel aus fünf Spielern, die das Feld breit machen und werfen können. Er mag Schnelligkeit und Guards, die den Ball in der Transition bewegen und das Pick-and-Roll spielen können. Ein großer Teil des israelischen Erfolgs wird vom IQ des 38-Jährigen Guy Pnini abhängen, der das Spiel auch dann beeinflusst, wenn er keine Punkte  macht. Allein seine Präsenz auf dem Spielfeld und seine Fähigkeit, die richtigen Spielzüge zu machen und den freien Mann zu finden, haben Israel bereits einen Sieg gegen Polen gesichert.

Hapoel Tel Avivs Center Idan Zalmanson und Galil Elyons sowie das Frontline-Duo Nimrod Levi und Gabi Chachashvili (22, 2,12) sollten ebenfalls in den endgültigen Kader aufgenommen werden. Während Zalmanson eher ein traditioneller, schwerer Big Man ist, sind die anderen wendig, schnell, athletisch und können werfen. Itay Segev, der Center von Hapoel Jerusalem, spielt eine miserable Saison (5,8 PpS in Israel, 3,4 PpS in der BCL), und seine offensiven Fähigkeiten, beziehungsweise sein Mangel daran, haben ihn aus dem Kader gestrichen. Zu den weiteren Namen, die den 12-köpfigen Kader vervollständigen sollen, gehören: Shawn Dawson (SF, Bnei Herzliya), der gerade den Israel State Cup gewonnen hat und nach zwei ACL-Operationen bei Joventut Badalona nach Israel zurückgekehrt ist; Tomer Ginat (Paris Metropolitans), Michael Brisker (SG, Gilboa-Galil) und Bar Timor (PG, Hapoel Tel Aviv), Rafi Menko (Hapoel Holon).



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