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Feb

BIG-Appetizer: Interiew mit Wolfgang Heyder

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Wolfgang Heyder aus der BIG #16.

Bamberg spielt auf der Center-Position mit zwei deutschen Spielern. Hoffnungsträger ist Maik Zirbes, der aus Trier kam. Brose-Macher WOLFGANG HEYDER erklärt im BIG-Gespräch deutlich, dass er von Zirbes noch deutlich mehr verlangt, als der Center im Trikot des Branchen-Primus bisher zeigte.

Herr Heyder, Sie haben vor der Saison Maik Zirbes verpflichtet und angekündigt, mit ihm und Philipp Neumann auf der Center-Position spielen zu wollen. Also mit zwei deutschen Spielern. Würden Sie sagen, die Rechnung ist aufgegangen?

Na ja, das habe ich gesagt, nachdem sich AJ Ogilvy, unser Starting Center, sofort verletzt hat. Seitdem war aber klar, dass wir mit den beiden spielen. Und mit Maik als erstem Center. Wenn ich jetzt nach einem Saisondrittel Bilanz ziehe, denke ich, wir können grundsätzlich ganz zufrieden mit Maik sein.

Wie sehen Sie ihn im Vergleich zu Tibor Pleiß, der vor der Saison nach Spanien abwanderte?

Maik muss sich an dieses höhere Niveau auf viele Weisen gewöhnen. Er hat bei uns viel mehr Druck als in Trier, die Spiele müssen gewonnen werden. Und in Trier ist eine Niederlage vielleicht auch mal okay. Damit ist Tibor schon ganz gut klargekommen. Er ist außerdem größer, das ist ein Vorteil, Tibor hat in der Verteidigung schon ein gutes Niveau erreicht. Alleine seine Größe verändert viele Würfe. Tibor hat inzwischen stabile Beine und einen guten Touch von außen. Er wirft inzwischen sogar Dreier. Deshalb sehe ich ihn irgendwann sogar auf der Vier. Das haben wir in der vergangenen Saison ja schon hin und wieder so gemacht, wenn er zusammen mit Marcus Slaughter gespielt hat, der ja ein reiner Fünfer ist, obwohl er kleiner ist.

Und Zirbes?

Er ist ein typischer Innenspieler. Maik hat eine ganze Menge Moves, ist sehr robust. Er hat den Körper, reboundet gut. Den Wurf hat er bisher weggelassen. Aber er ist mit 2,07 Metern eben eigentlich zu klein, um ausschließlich am Korb zu spielen. Wenn er das möchte, muss er körperlich noch weiter zulegen.

Wie ist seine Perspektive?

Das hängt nur von ihm selbst ab. Er hat das Zeug dazu, einer der besten deutschen Center zu werden, vielleicht sogar der beste, auch wenn ich Tibor da noch vorne sehe. Aber er muss an seinen Schwächen arbeiten. Vor allem in der Verteidigung. In der Euroleague oder im Duell mit John Bryant hat man gesehen, dass er noch Probleme hat, wenn er auf dominante Center trifft. Die konnte er nicht so stoppen, wie es nötig wäre ...

Bryant hat beim Spiel in Ulm 27 Punkte und 11 Rebounds gegen Zirbes gemacht ...

Richtig, an seiner Verteidigung muss Maik arbeiten. Hart arbeiten.

Macht er das nicht?

Er arbeitet schon an sich. Aber ich sehe auch einen gefährlichen Hang zu Selbstgefälligkeit. Das ist nicht gut. Er muss immer noch ein Stückchen weiter kommen wollen. Nicht aufhören, sondern weitermachen. Das hat Tibor gemacht, und das würde ich mir auch von Maik wünschen. Nur dann kann er einer der besten werden.

Kann Zirbes sich einschätzen?

Ich hoffe schon. Das Problem ist eben, dass die Spieler von vielen in ihrem Umfeld sofort in Sphären gehoben werden, in denen sie tatsächlich gar nicht spielen. Natürlich von ihren Agenten, die den Spielern Flausen in den Kopf setzen, wie toll sie schon sind. Und dann die Eltern, die Einfluss nehmen wollen.

Das ist schädlich?

Absolut schädlich. Ab einem bestimmten Zeitpunkt muss ein Spieler sein eigenes Ding machen und sich von all den Einflüsterern befreien, die ihm erzählen, was für ein toller Spieler er ist. Er muss seinen eigenen Weg gehen und den Trainern vertrauen. Ansonsten steht er sich selbst im Weg. Wir bieten dem Spieler ohnehin schon ein gemachtes Nest. Den Spielern wird sehr viel abgenommen, das ist ein Full-Service. Sie haben gute Verträge, weil sie die hoffnungsvollsten Talente ihres Jahrgangs sind, und das in einem beschränkten Markt. Ich spreche nicht davon, dass die Eltern ihren Sohn wohlwollend unterstützen, das ist in Ordnung. Aber sie stellen Dinge infrage, von denen sie keine Ahnung haben. Trainer, Schiris oder sogar das Programm sind schuld, wenn es nicht läuft, aber nicht ihr Sohn. Dabei bekommen die Spieler bei uns die beste Betreuung. Die wenigsten dürfen in Watte gepackt werden, sonst verlieren viele den dringend notwendigen letzten Ehrgeiz, sich verbessern zu wollen. Denken wir mal an Tim Ohlbrecht, er ist ein großes Talent, aber das NBA-Gerede hat ihm ganz sicher nicht gutgetan. Das ist total abgehobenes Gerede, das mit der Realität nicht viel zu tun hat.

Gilt das auch für Zirbes?

Er muss seinen Weg selbst suchen und finden. Sehen Sie, bei Partizan Belgrad werden die Spieler mit 14 in eine Profistruktur gesteckt. Da gibt es kein Pardon, da geht es nur noch um Basketball. Das wollen wir nicht. Aber in der Zeit, in der er in der Halle steht, muss ernsthaft gearbeitet werden. Und je mehr er in der Halle steht und qualitativ hochwertig trainiert, desto besser wird er. Maik kann das schaffen, es ist Biss da. Aber aus meiner Sicht ist er maximal bei 65 Prozent seines Leistungsvermögens angekommen. Wenn er in der Euroleague bestehen will, muss er seine Reserven heben. Es gibt ja Beispiele, an denen sich Maik orientieren kann.

An wen denken Sie?

Bei uns sind das Casey Jacobsen, John Goldsberry und Anton Gavel. Das sind Vollprofis, die ihr Leben danach ausrichten, ihre optimale Leistung zu erreichen, sich zu verbessern. Und zwar immer wieder. Anton ist für mich das beste Beispiel.

Warum?

Ich kenne ihn, seitdem er 17 ist. Er hat kein bahnbrechendes Talent. Aber er hat eine unglaubliche Einstellung. Das ist sehr viel wert. Er geht mit dem Assistenz-Trainer eineinhalb Stunden werfen, wenn andere auf der Couch liegen. Er hat sich immer weiter verbessert, Jahr für Jahr. Das Niveau, auf dem er jetzt spielt, ist europäische Spitze. Wenn unsere deutschen Spieler ein solches Niveau erreichen wollen, müssen sie eben genauso hart arbeiten wie ein Anton Gavel. Und dazu passt nicht, sich von allen in Watte packen zu lassen.

Europäische Spitze – so weit ist die Liga leider noch nicht. Wie sehen Sie die Entwicklung?

In der Spitze ist noch Luft nach oben, auch wenn Alba in dieser Saison deutlich kompakter aufgestellt ist und in der Euroleague gut spielt. Die Liga an sich ist noch ein bisschen ausgeglichener geworden.

Und die Bayern?

Svetislav Pesic wird das jetzt hinbekommen, das Team zumindest konkurrenzfähig zu trimmen. Ich weiß nicht, ob dieses Team so zusammengestellt ist, dass es um den Titel spielen kann. Ganz reicht das vielleicht nicht. Aber wer weiß. Ich glaube übrigens, dass Dirk Bauermann das auch hinbekommen hätte, wenn man ihm die Zeit gelassen hätte. Aber Uli Hoeneß weiß, was er tut.

Hat es Sie überrascht, dass Pesic dem DBB wieder verloren ging? Manche werten das als Niederlage für den Verband.

Das sehe ich anders. Svetislav wollte einfach wieder in die Halle. Die Chance kam, da hat er zugeschlagen. Er hätte bis ins nächste Jahr ja kaum was zu tun gehabt. (lacht) Mir ist eh schleierhaft, wie das bei der EM im kommenden Jahr laufen soll. Die Spieler haben dann bis zu 75 Spiele in den Knochen. Da kann man kaum noch richtig trainieren, das wird eher eine Frage der Moderation.

Statt Pesic wird das nun Frank Menz übernehmen. Eine gute Wahl?

Ja, auf jeden Fall. Das ist ein Fachmann, der sich in den vergangenen Jahren toll entwickelt hat. Er kennt die Spieler und kann sie verbessern.

Das kann man von den Zuschauer-Zahlen im Fernsehen nicht behaupten. Kabel 1 hat die Live-Übertragungen nach nur einem Spiel wieder unterbrochen.

Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Man braucht doch eine Nachhaltigkeit, um da etwas aufbauen zu können, zumindest über mehrere Monate. Da die Quote für ein einziges Spiel zu bewerten, macht überhaupt keinen Sinn.

Was muss geschehen?

Wir brauchen vor allem feste Sende-Termine, auf die sich Zuschauer auch einstellen können. Verlässlichkeit ist ein hohes Gut in diesem Zusammenhang, das hat offenbar noch niemand verstanden. Aus meiner Sicht brauchen wir wöchentlich ein TV-Magazin, das sich mit der Basketball-Bundesliga beschäftigt, mit Interviews, Homestorys usw., um die Köpfe des Basketballs überhaupt mal einzuführen und bekannt zu machen. Was Sport1 angeht, verstehe ich nicht, dass sie die Euroleague in ihren Spartenkanal verbannen. Sie haben die Rechte und würden doch am meisten davon profitieren, wenn sich Basketball im TV etabliert. Dafür müssten sie an dieser Stelle auch was tun. Man kann dieses TV-Thema doch nicht jedes Mal fünf Tage vor der Sendung entscheiden. Was soll dabei herauskommen? Ich verstehe übrigens auch nicht, dass das nur mit Bayern München zusammenhängt. Natürlich sind die Bayern befruchtend, aber die Liga definiert sich doch nicht allein über Bayern München.



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