07
Jan

BIG-Appetizer: Martin Romig

Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus einer vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat haben wir das Interview mit Martin Romig aus BIG #80 für Euch.

„Wir werden das hinbekommen“

Martin Romig hat mit den HAKRO Merlins Crailsheim eine Herausforderung vor sich.

Der Geschäftsführer muss die Bedingungen für das neue BBL-Budgetlimit schaffen. Angst hat der 51-Jährige davor nicht. Vielmehr sieht Romig diese Marke als große Chance für seinen Klub

Herr Romig, werden in der nächsten Saison 18 Teams in der BBL antreten?

Wenn ich sehe, welche Etats schon jetzt aufgerufen und welche Spieler verpflichtet werden, dann bin ich mir diesbezüglich absolut sicher.

Werden auch die HAKRO Merlins Crailsheim dabei sein?

Sollten wir den Klassenerhalt schaffen, werden auch wir weiter auf der BBL-Landkarte zu finden sein. Wir haben die Drei-Millionen-Marke zwar noch nicht erreicht, aber wir werden das hinbekommen.

Die Drei-Millionen-Grenze ist also nicht zu hoch?

Nein. Wenn ich mir alle vorgegebenen Standards ganz nüchtern anschaue und sie auch gewissenhaft erfüllen will, schaffe ich das inzwischen kaum mehr mit einem Etat, der kleiner als drei Millionen Euro ist.

Es gibt aktuell Vereine, deren Budget bei etwa zwei Millionen Euro liegen soll. Was hat sich verändert?

Es kursieren einige Zahlen der vermeintlich kleinen Klubs. Diese rufen in Wirklichkeit aber ganz andere Budgets auf. Ansonsten wäre es nicht möglich, solche Mannschaften zusammenzustellen. Wir stehen seit einigen Jahren in Konkurrenz mit diesen Vereinen und wollen die gleichen Spieler haben. Fakt ist aber, dass sich solche Spieler eben für diese Vereine und eben nicht für uns entschieden haben. Dabei hat es nichts damit zu tun, dass die Stadt schöner ist als die andere oder das Essen dort so gut schmeckt. Vielmehr hängt eine Vertragsunterschrift von harten wirtschaftlichen Faktoren ab. Gern machen sich dabei viele Vereine in der Außendarstellung kleiner, als sie sind. Klar ist aber auch: Der Spielermarkt hat sich deutlich verändert, vor allem wegen der Entwicklungen im asiatischen Raum. Dadurch wurden Spieler für europäische Vereine zuletzt teurer, was sich auf das Budget auswirkt. Neben dem Spieleretat ist aber auch die Nachwuchsförderung deutlich kostenintensiver geworden. In der JBBL und der NBBL kann heute jedenfalls niemand mehr mitspielen, ohne die entsprechenden Strukturen geschaffen zu haben. Inzwischen geben wir für den kompletten Jugendbereich mit seinen sieben hauptamtlichen Jugendtrainern etwa 300 000 Euro aus. An unserem Standort kommt allerdings noch ein ganz anderer und sehr kostenintensiver Faktor dazu.

Welcher?

Unsere Halle. Für die Nutzung geben wir knapp 15 Prozent unseres gesamten Budgets aus. Da dieses aktuell bei 2,5 Millionen Euro liegt, kommt dabei ein beachtlicher Betrag zustande. Neben den Ausgaben für die Mannschaft, den Nachwuchs und die Halle werden zudem die Anforderungen an das Backoffice immer höher. Um einen Spieltag BBL-gerecht umzusetzen, ist mittlerweile ein immenser Personal- und Zeitaufwand nötig. Die Pressearbeit beispielsweise kann längst nicht mehr von nur einer hauptamtlichen Person gemeistert werden. Entsprechend sind die Backoffices der BBL-Teams in den letzten Jahren deutlich gewachsen, woran klar wird: Das Geld wird längst nicht mehr nur in die Spieler gesteckt. Vielmehr bekommt die Entwicklung der Vereinsstruktur eine immer höhere Gewichtung. Für die nächste Saison wird deshalb entscheidend sein, ob es in Deutschland 18 wettbewerbsfähige Standorte gibt, die diese Anforderungen entsprechend umsetzen können. Denn es bringt keinem Zweitligaverein etwas, wenn er nach dem Aufstieg merkt: Wir können in allen Bereichen nicht ansatzweise mithalten. Deshalb wird die Drei-Millionen-Diskussion in meinen Augen oftmals viel zu eindimensional betrachtet.

Inwiefern?

Die Zweite Liga muss nachlegen und sich selbst höhere Anforderungen stellen, damit die Zweitligisten den Anschluss an die BBL-Teams nicht verpassen. Das wird entscheidend sein.

Ambitionierte Zweitligateams haben allerdings keine Planungssicherheit, da es in den Playoffs noch zu Überraschungen kommen kann.

Für uns war aber gerade die Einführung der Playoffs Gold wert. Denn es gab eben nicht mehr diese zwei Meisterschaftsfavoriten. Zehn bis zwölf Teams konnten die Playoffs als Ziel ausrufen, was für Sponsoren eine viel höhere Wertigkeit hat als das Spielen um einen Mittelfeldplatz. Unser Projekt hat dadurch jedenfalls eine entscheidende Dynamik bekommen. Nachdem wir im Jahr 2012 erstmals das Playoff-Halbfinale erreicht hatten, hat letztlich auch im Umfeld ein Umdenken stattgefunden. Danach haben viele Leute wirklich daran geglaubt, dass wir in die Erste Liga aufsteigen können. Auch deshalb haben wir seinerzeit die BBL-Lizenz beantragt und gesehen, was uns für den Beitritt zur Ersten Liga noch fehlt. Für uns war das ein Anreiz, mit unseren Partnern noch mehr dafür zu tun, um die entsprechenden Bedingungen für die Erste Liga erfüllen zu können. Ein ebenfalls sehr wichtiger wirtschaftlicher Faktor war zu dieser Zeit, dass sich der FC Bayern München dem Basketball verschrieben und der Sportart damit in der öffentlichen Wahrnehmung eine höhere Wertigkeit gegeben hat. Das hat uns in die Karten gespielt. Wir haben nicht gejammert, sondern hart dafür gearbeitet, um unsere Ziele auch wirklich zu erreichen.

Was unternehmen Sie aktuell, um die Drei-Millionen-Grenze zu erreichen?

Wir konnten bei unserem ersten BBL-Aufstieg natürlich dankbar sein, dass das Mindestbudget nur eine Million Euro betragen hat. Heutzutage reicht diese Million aber bei Weitem nicht mehr aus, um konkurrenzfähig zu sein. Aber bei uns ist sicherlich noch Potenzial da, das aktiviert werden kann. Um dieses zu schaffen, ist die Drei-Millionen-Grenze aber sogar hilfreich.

Weshalb?

Ich muss nun niemandem mehr erklären, warum das Budget unbedingt bei drei Millionen liegen muss, um konkurrenzfähig zu sein. Stattdessen kann ich nun sagen: Wenn wir keine drei Millionen haben, dürfen wir in der Ersten Liga schlichtweg nicht mehr dabei sein. Das macht die Verhandlungen einfacher. Mit unseren zwei größten Sponsoren haben wir beispielsweise Verträge ausarbeiten können, die dynamisch sind. Auf diese Art können wir dem Drei-Millionen-Ziel im Fall des Klassenerhalts sehr nah kommen. Letztendlich wird es aber einen gemeinsamen Kraftakt aller Unterstützer brauchen.

Bei anderen Standorten könnte der Rückhalt allerdings weniger stark sein.

Das kann ich schwer beurteilen.

Beim BBL-Tip-off-Meeting wurde Geschäftsführer Stefan Holz zu Nachverhandlungen aufgefordert.

Damit können sich die HAKRO Merlins Crailsheim nicht aufhalten. Stattdessen müssen wir zusehen, dass wir die nötigen Voraussetzungen schaffen. Das sollte auch das Interesse der anderen Klubs sein. Viel wichtiger ist es doch, positive Zeichen zu setzen und aufzupassen, dass die eigene Halle voll wird. Damit beschäftigen wir uns und achten auf unsere eigene Entwicklung. Denn obwohl wir im letzten Sommer einen finanziellen Sprung gemacht haben, ist es uns immer noch nicht gelungen, den letzten Platz der BBL-Etatrangliste zu verlassen. Entsprechend liegt unser Fokus aktuell weniger auf der Drei-Millionen-Grenze, sondern mehr auf dem Klassenerhalt. Sollten wir absteigen, müssen wir uns um die Drei-Millionen-Grenze ohnehin erst mal keine Gedanken mehr machen.

Warum lief es zu Saisonbeginn nicht?

Weil wir es noch nicht geschafft haben, als Einheit aufzutreten. Unsere neuen Spieler waren noch nicht gut genug integriert. Dieser Prozess hat einfach länger gedauert, als wir es uns gewünscht haben. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass wir die Füße still halten und nicht panikartig reagieren. Für uns geht es vielmehr darum, die Fassung zu bewahren und unsere Schlüsse aus dem Saisonstart zu ziehen.

Crailsheim gehört in den Kategorien Feldwurfquote, Dreipunktequote und Assists zu den besten Teams der Liga. Was fehlt der Mannschaft, um diese Stärken in Siege umzumünzen?

Statistiken helfen uns nicht. Wir glauben aber, dass unsere aktuelle Mannschaft den Klassenerhalt schaffen kann. Für uns gilt es nun, die letzten Prozentpunkte an Leistung aus den Spielern herauszuholen. Aufeinander herumhacken, weil es nicht läuft, werden wir hingegen auf gar keinen Fall.

Eine Nachverpflichtung auf den Big-Men-Positionen könnte allerdings helfen. Crailsheim ist das zweitschwächste Team beim Rebound.

Wir haben schon gesagt, dass wir den kleinsten Etat der Liga haben. Aus dem haben wir das Maximum herausgeholt. Harakiri-Aktionen werden wir nicht machen, um damit vielleicht den Klassenerhalt zu schaffen, aber das Projekt der HAKRO Merlins Crailsheim als Ganzes zu gefährden. Für uns geht es im Moment einzig und allein darum, unser spielerisches Limit zu erreichen. Denn natürlich stehen wir nicht da, wo wir sein wollen.

Wohin wollen Sie?

Unser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. In einigen Jahren wollen wir kein Wackelkandidat, sondern ein BBL-Mittelfeld-Team sein. Dafür müssen wir die Möglichkeiten schaffen und weiter kontinuierlich wachsen, wie in den letzten zwölf Jahren auch. Damals hatten wir noch gar nicht das Ziel, irgendwann in der Ersten Liga zu spielen. Wir wollten einfach nur besser werden. Diese Zielsetzung hat uns letztlich schon vor einigen Jahren erstmals in die BBL getragen. Dabei sind wir vor zehn Jahren noch belächelt worden. Aber wir wussten es schon damals und wissen es auch heute: In Crailsheim ist noch einiges möglich.


Interview: Alexander Büge


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